BUND Naturschutz befragt Abgeordnete zur Agrarpolitik
Ludwig soll sich erklären

Berlin / Rosenheim — Die Ab­ge­ord­ne­ten im Eu­ro­päi­schen Par­la­ment und im Deut­schen Bun­des­tag ent­schei­den in den nächs­ten Mo­na­ten über die Agrar­po­li­tik in der För­der­perio­de 2023 bis 2027. Im Vor­feld be­fragt der BUND Na­tur­schutz in Bayern bis zum 31. März in ei­ner bayern­wei­ten Kam­pag­ne die Man­dats­trä­ger nach de­ren agrar­po­li­ti­schen Zie­len – und um heraus­zu­fin­den, ob die­se mit den Po­si­tio­nen des BN im Ein­klang ste­hen. Peter Kasperczyk, Vor­sit­zen­der der Kreis­grup­pe Rosenheim, hat sich an die Ro­sen­hei­mer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Daniela Ludwig ge­wandt, um die Chan­cen für den Er­halt bäuer­li­cher Be­trie­be und der Ar­ten­viel­falt im Land­kreis Rosenheim zu ermessen.

Die Ge­mein­sa­me Agrar­po­li­tik (GAP) ge­hört zu den wich­tigs­ten Auf­ga­ben­fel­dern der ⭲ Eu­ro­pä­i­schen Union (EU) und ist ei­ner der am stärks­ten ver­ge­mein­schaf­te­ten Po­li­tik­be­rei­che. In der letz­ten För­der­perio­de von 2014 bis 2020 stan­den jähr­lich über 6,2 Mil­liar­den Eu­ro für die Agrar­för­de­rung in Deutsch­land zur Ver­fü­gung. In der neu­en För­der­perio­de ist die GAP stär­ker aus­ge­rich­tet am Schutz der Bio­di­ver­si­tät und der na­tür­li­chen Res­sour­cen so­wie an nach­hal­ti­ger Ent­wick­lung und Kli­ma­schutz. Da­bei wer­den die drei tra­gen­den Ele­men­te der GAP – „Kon­di­tio­na­li­tät“, „Eco Schemes“ (Öko­re­ge­lun­gen), „Agrar­um­welt- und Kli­ma­maß­nah­men“ (AUKM) – als de­ren „Grü­ne Ar­chi­tek­tur“ be­zeich­net: Wäh­rend die Kon­di­tio­na­li­tät die Be­wirt­schaf­tungs­be­din­gun­gen für Flä­chen vor­schreibt, be­nen­nen die Öko­re­ge­lun­gen der 1. Säu­le und die AUKM der 2. Säu­le kon­kre­te Maß­nah­men. Für die neue För­der­perio­de müs­sen al­le EU-Mit­glied­staa­ten erst­mals ei­nen Na­tio­na­len Stra­te­gie­plan für die bei­den Säu­len ent­wi­ckeln. Die Na­tio­na­len Stra­te­gie­plä­ne sind spä­tes­tens zum 1. Ja­nu­ar 2022 einzureichen.

Der BUND Na­tur­schutz in Bayern e. V. (BN) er­strebt in der Land­wirt­schaft ei­ne bäuer­li­che, nach­hal­ti­ge Land­be­wirt­schaf­tung, ei­ne Part­ner­schaft zwi­schen Na­tur­schutz und Land­wirt­schaft so­wie die För­de­rung des öko­lo­gi­schen Land­baus. Kon­kret sol­len die bis­he­ri­gen flä­chen­ge­bun­de­nen Di­rekt­zah­lun­gen schritt­wei­se ab­ge­baut wer­den, da­mit mehr Geld für Leis­tun­gen der Land­wir­te zu­guns­ten von Um­welt und Tier­schutz zur Ver­fü­gung steht.

Im Ent­wurf des bun­des­deut­schen Na­tio­na­len Stra­te­gie­plans sind der­zeit 20 Pro­zent des Land­wirt­schafts­bud­gets für re­gu­la­to­ri­sche Eco Schemes vor­ge­se­hen. Der BN for­dert in­des, dass min­des­tens 30 Pro­zent ver­pflich­tend be­reit­ge­stellt wer­den. Die­ser An­teil soll jähr­lich wei­ter wach­sen, um in der über­nächs­ten För­der­perio­de den Aus­stieg aus der Prä­mie, die nur nach Flä­chen­grö­ße ge­währt wird, zu erreichen.

Vierseitiger Fragebogen zur Agrarpolitik

Im Sü­den des Land­krei­ses Rosenheim ist Grün­land vor­herr­schend – öko­lo­gisch wich­ti­ge Le­bens­räu­me aus Grä­ben und He­cken mit ih­ren Säu­men, er­klärt Peter Kasperczyk, Vor­sit­zen­der der Kreis­grup­pe (KN) Rosenheim des BN. Statt Do­ku­men­ta­tions­pflich­ten soll­ten hier To­le­ranz­re­geln gel­ten, wenn et­wa ein Land­wirt Alt­gras­strei­fen an Ecken oder an ei­nem feuch­ten Wald­rand ste­hen lässt, He­cken in land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­chen hinein­wach­sen oder Blüh­strei­fen ei­ni­ge Qua­drat­me­ter klei­ner oder grö­ßer an­ge­ge­ben sind.

Der vom KG-Vor­sit­zen­den Kasperczyk an Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Daniela Ludwig (CSU) ge­lei­te­te Fra­ge­bo­gen ent­hält acht Fra­gen zur Agrar­po­li­tik bis 2027 ein­schließ­lich der Po­si­tio­nen des BN. Die Fra­gen rei­chen von der Ein­füh­rung ei­ner ver­pflich­ten­den Ober­gren­ze bei Di­rekt­zah­lun­gen und de­ren Hö­he über die For­de­rung nach am­bi­tio­nier­ten Um­welt- und Bio­di­ver­si­täts­maß­nah­men für die Eco Schemes so­wie der Ab­schaf­fung von Do­ku­men­ta­tions­an­for­de­run­gen, die Um­welt­in­ter­es­sen ent­ge­gen stün­den, bis hin zu ei­nem fünf­pro­zen­ti­gen Min­dest­an­teil nicht-pro­­­du­k­­ti­­ver Ele­men­te an der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che so­wie der fi­nan­ziel­len Ab­si­che­rung des Ausb­aus des Öko­land­baus. Kasperczyk er­läu­tert, ent­schie­den wer­de auch „über die Chan­cen für den Er­halt bäuer­li­cher Be­trie­be und die Ar­ten­viel­falt in un­se­rem Land­kreis“. Der BN er­sucht des­halb Ludwig, den vier­sei­ti­gen Fra­ge­bo­gen bis zum 31. März zu be­ant­wor­ten. 


Erstveröffentlichung

Print: Ro­sen­hei­mer blick, Inn­ta­ler blick, Mang­fall­ta­ler blick, Was­ser­bur­ger blick, 35. Jg., Nr. 11/2021, Sams­tag, 20. März 2021, S. 4, Ko­lum­ne „Land­kreis Ro­sen­heim“ [164/3/1/3].
Online: ⭱ blick-punkt.com, Mitt­woch, 17. März 2021; ⭱ E‑Paper Ro­sen­hei­mer blick, ⭱ E‑Paper Inn­ta­ler blick, ⭱ E‑Paper Mang­fall­ta­ler blick, ⭱ E‑Paper Was­ser­bur­ger blick, Sams­tag, 20. März 2021.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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