Badestelle für Bad Endorf weiterhin ungewiss
Freundorfer: „Wir sind verärgert“

Bad En­dorf — Ver­är­gert und ent­täuscht zei­gen sich die rund 177 Mit­glie­der des „För­der­ver­eins Bad En­dor­fer Moor­bad e. V.“: Trotz po­si­ti­ven Bür­ger­ent­scheids im Jahr 2017 wer­de der Bür­ger­wil­le nicht um­ge­setzt, in der knapp 8400 Ein­woh­ner zäh­len­den Markt­ge­mein­de ein Na­tur­bad am Stand­ort „Moor­bad“ zu er­rich­ten. Durch „Hin­hal­te­tak­tik“ sei in­zwi­schen so­gar die Ver­bind­lich­keit des Bür­ger­ent­scheids ab­ge­lau­fen. Doch der För­der­ver­ein will nicht klein bei­ge­ben, be­steht wei­ter auf den Um­bau des Moor­ba­des in ein Na­tur­bad und den Be­trieb oh­ne Ba­de­meis­ter. Die Markt­ge­mein­de soll nun Far­be be­ken­nen, ob das Moor­bad nur still­ge­legt wur­de oder tat­säch­lich ge­schlos­sen ist.

Man war­tet, bis dem Letz­ten die Luft aus­ge­gan­gen ist“, kri­ti­siert Claudia Freundorfer, Schrift­füh­re­rin des För­der­ver­eins. Vier Jah­re währt in­zwi­schen die Aus­ein­an­der­set­zung des Ver­eins mit Bür­ger­meis­te­rin Doris Laban vom „Ak­tions­bünd­nis für Bad En­dorf (ABE)“ und dem En­dor­fer Markt­ge­mein­de­rat. Die­ser hat­te En­de März 2015 trotz voran­ge­gan­ge­ner För­der­ver­eins­grün­dung mit 11:9 Stim­men be­schlos­sen, das Moor­bad dicht zu ma­chen. Di­ver­se Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten zur Wie­der­er­öff­nung der Ba­de­stel­le lie­fen in je­nem Jahr ins Lee­re. Ein mit über 700 Un­ter­schrif­ten ge­stell­ter Bür­ger­an­trag wur­de 2016 we­gen ei­nes Form­feh­lers ab­ge­lehnt.

Im Ok­to­ber 2017 soll­te ein dop­pel­ter Bür­ger­ent­scheid Klar­heit brin­gen. Dem Bür­ger­be­geh­ren „Sind Sie da­für, dass in Bad En­dorf ein Na­tur­bad am Stand­ort Moor­bad ge­schaf­fen wird?“ stell­te der Markt­ge­mein­de­rat das Rats­be­geh­ren ent­ge­gen „Sind Sie da­für, dass Pla­nung, Bau und Be­trieb ei­nes Na­tur­ba­des auf­grund be­ste­hen­der Prio­ri­tä­ten im Be­reich der ge­meind­li­chen In­fra­struk­tur zu­rück­ge­stellt wer­den?“. Fast je­der Zwei­te (49,34 Pro­zent) der 6492 stimm­be­rech­tig­ten Bür­ger­in­nen und Bür­ger stimm­te ab. Da bei­de Fra­gen über­wie­gend be­jaht wur­den (59,52 Pro­zent zu 40,48 Pro­zent so­wie 50,05 Pro­zent zu 49,95 Pro­zent), ent­schied die Stich­fra­ge: Die Mehr­heit (52,4 Pro­zent) vo­tier­te für ei­ne Ba­de­stel­le am Stand­ort „Moor­bad“.

Bür­ger­ent­scheid nicht mehr bin­dend

Dem Bür­ger­ent­scheid fol­gend be­auf­trag­te der Markt­ge­mein­de­rat die Pla­nung ei­ner Ba­de­stel­le und sprach sich Mit­te Ju­li 2018 aus fi­nan­ziel­len Grün­den ge­gen ei­ne Sprung­ein­rich­tung und Rut­sche aus, da­mit die Ein­rich­tung oh­ne Ba­de­auf­sicht blei­ben kann. Ein Pla­ner des Un­ter­neh­mens „Aqua­tek­ten“ er­läu­ter­te je­doch in der No­vem­ber-Sit­zung des Markt­ge­mein­de­ra­tes, der Stand­ort „Moor­bad“ sei nur dann ge­eig­net, wenn die Ba­de­stel­le als Na­tur­frei­bad de­kla­riert und mit Ba­de­auf­sicht be­trie­ben wer­de. Die Na­tur­schutz­be­hör­de sei zwar da­ge­gen, ei­ne Ba­de­stel­le oh­ne Per­so­nal im Kur­park ein­zu­rich­ten, doch die­ser Stand­ort wä­re trotz­dem ei­ne Op­tion, wenn die Ba­de­stel­le in ein Na­tur­pro­jekt in­te­griert wür­de. Den Ein­wand von Eduard Huber (Bünd­nis 90/DIE GRÜ­NEN), der Stand­ort­wech­sel ent­spre­che nicht dem Bür­ger­ent­scheid von 2017, ver­warf die CSU mit dem Ver­weis, ein Bür­ger­ent­scheid sei nach ei­nem Jahr nicht mehr bin­dend.

Ei­ne Mach­bar­keits­stu­die soll­te nun bei­de Al­ter­na­ti­ven bis zur Rats­sit­zung En­de Fe­bru­ar 2019 ab­wä­gen. Vor­ge­stellt wur­den die Er­geb­nis­se ein vier­tel Jahr spä­ter in der Mai-Sit­zung mit dem Fa­zit, dass ge­ra­de der Stand­ort „Moor­bad“ Kon­flikt­po­ten­zial mit Blick auf das Im­mis­sions­schutz­ge­setz auf­wei­se: Da der Be­stands­schutz für das al­te Moor­bad er­lo­schen sei, müs­se die neue Ba­de­stel­le ge­schlos­sen wer­den, so­bald sich ein An­woh­ner we­gen Lärm­be­läs­ti­gung be­schwer­te. Die Ver­wal­tung wur­de darauf­hin be­auf­tragt, die Pla­nun­gen für ei­ne Ba­de­an­la­ge mit bio­lo­gi­scher Was­ser­auf­be­rei­tung am Stand­ort „Kur­park“ wei­ter zu ver­fol­gen und die Rah­men­be­din­gun­gen für die Um­set­zung zu klä­ren.

Fra­gen an die Markt­ge­mein­de

Ob die­ser Ent­wick­lung zeig­ten sich die Mit­glie­der des För­der­ver­eins auf ih­rer Jah­res­haupt­ver­samm­lung An­fang Ju­li „sehr ver­är­gert und ent­täuscht“. Des­halb wur­den dem Ver­wal­tungs­lei­ter Martin Mühlnickel am 11. Ju­li sie­ben Fra­gen vor­ge­legt, um den Sach­stand zu klä­ren. So fragt der Ver­ein ers­tens, wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men die Ver­wal­tung un­ter­nom­men ha­be, um den Bür­ger­ent­scheid von 2017 um­zu­set­zen, zwei­tens, wa­rum sich die Mach­bar­keits­stu­dien nicht auf der Web­site der Markt­ge­mein­de be­fän­den, drit­tens, wel­che För­der­mit­tel ge­prüft wor­den sei­en, vier­tens, wa­rum un­ter­schied­li­che Pla­nungs­bü­ros be­auf­tragt wur­den, fünf­tens, ob der Stand­ort „Kur­park“ tat­säch­lich im Na­tur­schutz­ge­biet lie­ge, sechs­tens, ob die Markt­ge­mein­de wis­se, dass die An­woh­ner im Um­kreis des Moor­ba­des ei­ne Klau­sel im Miet-/Kauf­ver­trag hät­ten, nach der sie sich mit Ein­schrän­kun­gen ein­ver­stan­den er­klär­ten, so­wie sechs­tens, ob das Moor­bad nur vorüber­ge­hend still­ge­legt wur­de oder gänz­lich ge­schlos­sen ist. Die Ver­wal­tung hat bis­lang noch nicht ge­ant­wor­tet, wes­halb Freundorfer be­fin­det: „Es geht nichts vor­wärts!“ 


Erstveröffentlichung

Print: Ro­sen­hei­mer blick, Inn­ta­ler blick, Mang­fall­ta­ler blick, 32. Jg., Nr. 31/2019, Sams­tag, 3. Au­gust 2019, S. 1f., Ko­lum­ne „Leit­ar­ti­kel“ [193/3/1/9].
Online: ⭱ blick-punkt.com, Mon­tag, 29. Ju­li 2019; ⭱ E‑Paper Ro­sen­hei­mer blick, ⭱ E‑Paper Inn­ta­ler blick, ⭱ E‑Paper Mang­fall­ta­ler blick, Sams­tag, 3. Au­gust 2019.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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