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„Sicherheitswachtler“ für Waldkraiburg gesucht

Wald­krai­burg — Bayern­weit sind rund 800 Bür­ger­in­nen und Bür­ger in mehr als 130 Kom­mu­nen ehren­amt­lich ak­tiv bei ei­ner „Si­cher­heits­wacht“, kurz „SiWa“: Sie fun­gie­ren als Bin­de­glied zwi­schen Po­li­zei und Be­völ­ke­rung, sind An­sprech­part­ner für Si­cher­heits­fra­gen und be­strei­fen grö­ße­re Wohn­sied­lun­gen, öf­fent­li­che Parks und An­la­gen, die Um­ge­bung von Hal­te­stel­len öf­fent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel so­wie das Um­feld von Ge­bäu­den oder Ein­rich­tun­gen, die im­mer wie­der Sach­be­schä­di­gun­gen auf­wei­sen. Im Zu­stän­dig­keits­be­reich des Po­li­zei­prä­si­diums Ober­bayern Süd wird – nach Burg­hau­sen, Burg­kir­chen, Frei­las­sing, Ro­sen­heim und Schon­gau – auch in Wald­krai­burg ei­ne SiWa ab Juni in Ko­opera­tion mit der hie­si­gen Po­li­zei­in­spek­tion die Si­cher­heit im öf­fent­li­chen Raum ver­bes­sern: Die Be­wer­bungs­phase läuft bis Ende März.

Mehr Au­gen und Oh­ren im öf­fent­li­chen Raum be­deu­ten auch mehr Si­cher­heit auf un­se­ren Straßen und Plät­zen“, sagt Po­li­zei­prä­si­dent Ro­bert Kopp, Lei­ter des Po­li­zei­prä­si­diums Ober­bayern Süd mit Sitz in Ro­sen­heim. Die Be­völ­ke­rung sei aus un­ter­schied­li­chen Grün­den ver­un­si­chert und die Si­cher­heits­wacht stei­ge­re als „wan­deln­de Not­ruf­säu­le“ das Si­cher­heits­ge­fühl deut­lich. Da­bei sei sie we­der Hilfs­po­li­zei noch Bür­ger­wehr, son­dern „die bes­se­re und rechts­staat­li­che Al­ter­na­ti­ve“: Po­li­zei­be­am­te der je­wei­li­gen Dienst­stel­len ent­schie­den je nach La­ge, wo und wann die SiWa auf Strei­fe ge­he – die ehren­amt­lich en­ga­gier­ten „Bür­ger­in­nen und Bür­ger mit Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl und Zi­vil­cou­ra­ge“ er­gänz­ten dann die Po­li­zei­ar­beit und ach­te­ten vor Ort auf die Ein­hal­tung der all­ge­mei­nen Ord­nung.

Ur­sprüng­lich als Mo­dell­pro­jekt in den Städ­ten De­gen­dorf, In­gol­stadt und Nürn­berg ein­ge­führt, wur­de die Si­cher­heits­wacht in Bayern 1997 nach drei­jäh­ri­ger Pi­lot­pha­se dauer­haft ein­ge­rich­tet. Seit­dem ent­schlie­ßen sich im­mer mehr Kom­mu­nen, ei­ne Si­cher­heits­wacht zu be­an­tra­gen. 44 Frei­wil­li­ge zählt Po­li­zei­prä­si­dent Kopp be­reits in sei­nem Zu­stän­dig­keits­be­reich: sie­ben in Burg­hau­sen, fünf in Burg­kir­chen, sie­ben in Frei­las­sing, 18 in Ro­sen­heim und sie­ben in Schon­gau. Lau­fen und Traun­stein be­fin­den sich der­zeit im Be­wer­bungs- und Aus­wahl­ver­fah­ren.

Man­chmal rei­ne Street­wor­ker“

Da­sein – Zu­hö­ren – Hin­hö­ren“ be­schreibt Ri­ta Blum von der SiWa Burg­hau­sen ih­re Auf­ga­be, denn meist ge­he es bei­spiels­wei­se nicht um nicht­an­ge­lein­te Hun­de, de­fek­te Stra­ßen­lam­pen und ‑schil­der oder schnel­le Ers­te Hil­fe. „Manch­mal ha­ben wir das Ge­fühl, wir sind rei­ne Street­wor­ker“, er­klärt Blum. Durch die dun­kel­blauen T‑Shirts mit Schrift­zug und Ho­heits­zei­chen, die dienst­li­chen Di­gi­tal­funk­ge­räte und Mo­bil­te­le­fo­ne, mit de­nen der Kon­takt zur Po­li­zei­in­spek­tion ge­hal­ten wird, so­wie das Reiz­stoff­sprüh­ge­rät für Not­fäl­le wer­den die An­ge­hö­ri­gen der Si­cher­heits­wacht weit­hin sicht­bar zu Re­prä­sen­tan­ten der Kom­mu­ne und fak­tisch zu „An­sprech­part­nern für jed­we­de Pro­ble­me“, wie Wald­krai­burgs Bür­ger­meis­ter Ro­bert Pötzsch (UWG) weiß.

Der Stadt­rat von Wald­krai­burg hat sich am 13. De­zem­ber 2016 ein­stim­mig für die Ein­rich­tung ei­ner SiWa aus­ge­spro­chen und da­mit für die Po­li­zei den Wil­len aus­ge­drückt, sich ak­tiv an der Ge­stal­tung und Auf­recht­er­hal­tung der In­ne­ren Si­cher­heit und Ord­nung zu be­tei­li­gen. Selbst wenn Wald­krai­burg laut Pötzsch „ei­ne si­che­re Stadt“ sei, so ist die SiWa gleich­wohl nach den Wor­ten von Kopp ei­ne „sinn­vol­le Ein­rich­tung in un­se­rem rechts­staat­li­chen Port­fo­lio“. Denn die Po­li­zei ist laut dem Lei­ter der Po­li­zei­in­spek­tion Wald­krai­burg, Ers­ter Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar Ge­org Deibl, „auf ein Kli­ma des Ver­trauens und ei­ne Kul­tur des Hin­se­hens“ an­ge­wie­sen. Geigl zu­fol­ge ha­be die Si­cher­heits­wacht „ei­ne wich­ti­ge Vor­bild­funk­tion für die Be­völ­ke­rung, bei Straf­ta­ten hin­zu­se­hen, die Po­li­zei zu ver­stän­di­gen und sich als Zeu­ge zur Ver­fü­gung zu stel­len“. Dies er­klärt den Leit­ge­dan­ken „Bür­ger schüt­zen Bür­ger“.

Be­wer­bungs­phase bis Ende März

Bis Ende März läuft in Wald­krai­burg die Be­wer­bungs­pha­se für die neue Si­cher­heits­wacht. Nach Kopp soll­ten die avi­sier­ten acht bis zwölf cou­ra­gier­ten Bür­ger­in­nen und Bür­ger aus der Re­gion die hie­si­ge Be­völ­ke­rung best­mög­lich ab­bil­den: Sie soll­ten min­des­tens 18 Jah­re und höch­stens 60 Jah­re alt sein, ge­sund­heit­lich den An­for­de­run­gen des Außen­diens­tes ge­wach­sen sein, ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Schul- und Be­rufs­aus­bil­dung mit Zeug­nis nach­wei­sen, Zu­ver­läs­sig­keit und Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft be­wie­sen ha­ben und ei­nen gu­ten Ruf be­sit­zen. Für die Auf­ga­be sol­len sie min­des­tens zehn Stun­den im Mo­nat zur Ver­fü­gung ste­hen und am Ein­satz­ort oder in der nächs­ten Um­ge­bung woh­nen. Die Aus­rüs­tung wird ge­stellt und die Eh­ren­amt­ler er­hal­ten ei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung von 8 Eu­ro je Stun­de.

Mit­te April fin­den die Aus­wahl­ge­sprä­che statt, Ende Mai er­folgt ei­ne 40-stün­­di­ge Aus­bil­dung, Dienst­be­ginn ist am 1. Ju­ni 2017. Den Ein­satz der SiWa wird die Po­li­zei­in­spek­tion ei­gen­ver­ant­wort­lich re­geln. Dienst­plan, Ein­satz­zei­ten und ‑ört­lich­kei­ten legt die Dienst­stel­le ge­mein­sam mit den Ehren­amt­li­chen fest. De­tails nennt die Po­li­zei­in­spek­tion Wald­krai­burg un­ter Ruf­num­mer 0 86 38/9 44 70. Mehr In­for­ma­tion zur Baye­ri­schen Si­cher­heits­wacht ist on­line ab­ruf­bar un­ter http://tinyurl.com/zymvebe. 


Erstveröffentlichung

Print: Inn-Salz­ach blick, 9. Jg., Nr. 10/2017, Sams­tag, 11. März 2017, S. 1f., Ko­lum­ne „Leit­ar­ti­kel“ [163/3/2/14; zwei Fo­tos].
Online: ⭱ blick-punkt.com, Don­ners­tag, 9. März 2017; ⭱ E‑Paper Inn-Salz­ach blick, Sams­tag, 11. März 2017.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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