Kandidatur für den Bayerischen Landtag und den Bezirkstag von Oberbayern 2018
Krueger: „digital – konsequent und sozial“

Mün­chen/Ro­sen­heim/Berch­tes­ga­den — Vor dem Hin­ter­grund kom­ple­xen, tief­grei­fen­den Wan­dels ist grund­sätz­lich das größ­te Ri­si­ko Mut- und Kon­zep­tions­lo­sig­keit, die größ­te Chan­ce Know-how und Wil­le zur Zu­kunfts­ge­stal­tung. Die bis­he­ri­ge Patch­work­po­li­tik zeigt nur ei­ne ge­rin­ge Lern­kur­ve und die Ver­ant­wort­li­chen be­kom­men oft­mals Schnapp­at­mung an­ge­sichts von Heraus­for­de­run­gen wie Glo­ba­li­sie­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung, Kli­ma­wan­del und Mi­gra­tion. Die nö­ti­gen Ver­än­de­rungs­vor­ha­ben er­for­dern je­doch ei­ne über­zeu­gen­de, po­si­ti­ve und ge­samt­ver­ant­wort­li­che Vi­si­on. Mei­ne Mis­sion-State­ments zum Leit­spruch: „di­gi­tal – kon­se­quent und so­zial“ und ein Wahl­auf­ruf zum 14. Ok­to­ber.

Di­gi­tal­po­li­tik kon­kre­ti­sie­ren! Die di­gi­ta­le Trans­for­ma­tion ver­langt nach cou­ra­gier­ten Ant­wor­ten, nach ei­ner kon­so­li­dier­ten und pro­ak­ti­ven Di­gi­tal­po­li­tik. Der Wirt­schafts­stand­ort Bayern muss agil, zu­kunfts­fä­hig und kri­sen­fest sein, die Di­gi­tal­wirt­schaft viel­fäl­tig ge­för­dert wer­den, so­wohl fi­nan­ziell als auch durch in­no­va­tions­freund­li­che Rechts­rah­men. An­zu­er­ken­nen sind des­halb die Maß­nah­men der Staats­re­gie­rung: die Di­gi­tal­of­fen­si­ven „Bayern Di­gi­tal“ und „Bayern Di­gi­tal II“, die An­schub­fi­nan­zie­rung von Hand­werk und Mit­tel­stand über den „Di­gi­tal­bo­nus Bayern“, die För­de­rung von Start-ups über Di­gi­ta­le Grün­der­zen­tren in je­dem Re­gie­rungs­be­zirk, der Aus­bau des „Zen­trum Di­gi­ta­li­sie­rung.Bayern (ZD.B)“ als For­schungs-, Ko­opera­tions- und Grün­dungs­platt­form so­wie der Cyber-Si­cher­heit über das „Fraun­ho­fer-In­sti­tut für An­ge­wand­te und In­te­grier­te Si­cher­heit (AISEC)“. Zu­gleich er­in­nert je­des Funk­loch pein­lich da­ran, wel­che An­stren­gun­gen Bayern noch auf dem Weg zur Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft zu leis­ten hat. Und ob­schon Au­to­ma­tion und Ra­tio­na­li­sie­rung nicht zwangs­läu­fig Job­ver­lust be­deu­ten, so sind doch die neu­en mul­ti­mo­bi­len, re­mo­ten und ver­netz­ten Be­schäf­ti­gungs­for­men der Ar­beit 4.0 durch ein zeit­ge­mä­ßes Ar­beits­recht zu flan­kie­ren.

Di­gi­ta­le Trans­for­ma­tion för­dern! Füh­rung und Tem­po sind er­for­der­lich beim Auf­bau der not­wen­di­gen flä­chen­de­cken­den Gi­ga­bit-In­fra­struk­tur, ei­ne In­no­va­tions­of­fen­si­ve für Künst­li­che In­tel­li­genz (KI) als Schlüs­sel­tech­no­lo­gie, ih­rer Ver­bin­dung mit dem Know-how der in­dus­tri­el­len Pro­duk­tion, Au­to­ma­tion und Ro­bo­tik so­wie In­ves­ti­tio­nen in di­gi­ta­le Tech­no­lo­gien für ver­netz­te Pro­duk­tion und Pro­duk­te. Voran­ge­trie­ben wer­den müs­sen bei­spiels­wei­se: kom­mu­na­le Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gien, ver­netz­te Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tun­gen im Ver­kehrs­we­sen, di­gi­ta­le Stra­ßen­in­fra­struk­tur, au­to­no­mes Fah­ren, di­gi­ta­le Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te im Ge­sund­heits­we­sen, di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le im Han­del, „Cus­to­mer Jour­ney“ im Tou­ris­mus, Me­dien­kom­pe­tenz in der Früh­pä­da­go­gik, di­gi­ta­le Klas­sen­zim­mer in den Schu­len, Soft­ware-En­gi­nee­ring in der Aus­bil­dung, di­gi­ta­les Leh­ren und Ler­nen an den Hoch­schu­len, die Ver­schlan­kung von Re­gie­rungs- und Ver­wal­tungs­pro­zes­sen durch zeit­ge­mä­ßes E-Go­vern­ment, im bes­ten Fall durch Open Source-Soft­ware. Über­dies sind Kri­ti­sche In­fra­struk­tu­ren vor Cyber-At­ta­cken und die ver­netz­te Wirt­schaft vor In­dus­trie­spio­na­ge wir­kungs­voll zu schüt­zen.

Mo­bi­li­täts­kon­zep­te er­sin­nen! Die Zu­kunft der Mo­bi­li­tät ist un­um­kehr­bar be­stimmt durch al­ter­na­ti­ve An­trie­be, ver­netz­te Au­tos, selbst­stän­dig fah­ren­de Wa­gen und Flug­ta­xen so­wie res­sour­cen­scho­nen­de Mo­bi­li­täts­sys­te­me wie Car Sha­ring und On-De­mand-ÖPNV. Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist der Trei­ber der Trans­for­ma­tion in Lo­gis­tik, Stra­ßen-, Schie­nen-, See- und Luft­ver­kehr so­wie Raum­fahrt. War­tung und In­stand­hal­tung der Sys­te­me ver­lan­gen Spe­zial­wis­sen und adä­qua­te Aus­bil­dungs­we­ge für die neu­en Be­rufs­bil­der. So­weit durch Elek­tro­mo­bi­li­tät die Kli­ma- und Luft­rein­hal­te­zie­le er­reicht wer­den kön­nen, ist ei­ne flä­chen­de­cken­de La­de­in­fra­struk­tur für de­ren Er­folg ent­schei­dend. Für mich als Di­gi­tal­po­li­ti­ker zäh­len im Wei­te­ren zur In­no­va­tion auch Smart Homes und Smart Ci­ties, de­ren Aus­ge­stal­tung auf die po­li­ti­sche Agen­da ge­hört.

Be­zahl­ba­ren Wohn­raum schaf­fen! Die Miet­preis­brem­se greift ins Lee­re, der so­zia­le Woh­nungs­bau kommt kaum vo­ran, die Woh­nungs­lo­sig­keit ist in der Mit­tel­schicht an­ge­kom­men. Grund­sätz­lich soll­te – wo im­mer mög­lich – die Woh­nungs­not grün­flä­chen­spa­rend ge­lin­dert wer­den: Bei kurz­fris­ti­gen Nach­fra­ge­spit­zen soll­te Woh­nungs­be­stand in öf­fent­li­cher Hand ver­füg­bar ge­macht wer­den. Mit­tel- bis lang­fris­tig soll­te durch steuer­li­chen An­reiz der Woh­nungs­bau ge­för­dert wer­den. Miet­preis­gün­sti­ger Wohn­raum ist durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men zu för­dern: kom­mu­na­le Stadt­ent­wick­lung, in­ter­kom­mu­na­le Zu­sam­men­ar­beit, zu­kunfts­si­che­re/bar­riere­ar­me/tech­no­lo­gie­of­fe­ne Pla­nung, Bal­lungs­raum-Orien­tie­rung, städte­bau­li­che Ver­dich­tung, In­nen- vor Au­ßen­ent­wick­lung, Sha­ring-Mo­del­le, be­darfs­orien­tier­te Stell­platz­ver­ord­nun­gen, Um­zugs­ma­na­ge­ment, Be­schleu­ni­gung der Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren, An­pas­sung der Grund­er­werbs­steuer, Ver­kür­zung der Ab­schrei­bun­gen, An­reiz­in­stru­men­te wie För­de­run­gen so­wie Re­ak­ti­vie­rung des so­zia­len Woh­nungs­baus.

Ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­men­halt si­chern! Wäh­rend noch über die Di­men­sion der Kin­der- und Al­ters­ar­mut so­wie des Pfle­ge­not­stan­des de­bat­tiert wird, wir­ken die an­dauern­de po­li­ti­sche Füh­rungs­schwä­che und Des­orien­tie­rung in Fra­gen der Glo­ba­li­sie­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung und Mi­gra­tion zu­neh­mend ge­sell­schaft­lich de­sta­bi­li­sie­rend. Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, Rei­ner Hoff­mann, spricht be­reits vom „Kon­troll­ver­lust“, den trotz gu­ter Kon­junk­tur die Men­schen im Nie­drig­lohn­sek­tor er­leb­ten, weil sie ih­re Ar­beits- und Le­bens­ver­hält­nis­se nicht mehr be­stim­men könn­ten. Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­meier emp­fiehlt ei­nen of­fen­si­ven Um­gang mit den Un­si­cher­hei­ten und Ri­si­ken der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion und will da­rauf mit ei­ner „Ethik der Di­gi­ta­li­sie­rung“ rea­gie­ren. Da­bei ist die Ver­un­si­che­rung mess­bar: So bil­det seit 2014 der Ver­ein „Deutsch­land si­cher im Netz (DsiN)“ ge­mein­sam mit dem Bun­des­mi­nis­te­rium der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz (BMJV) die Si­cher­heits­la­ge der Be­völ­ke­rung per re­prä­sen­ta­ti­ver Stu­die und ei­ner Kenn­zahl ab. Dies­jäh­ri­ges Er­geb­nis: Die Ver­un­si­che­rung der Ver­brau­cher im Cy­ber­space wächst, ob­wohl die Zahl der wahr­ge­nom­me­nen Si­cher­heits­fäl­le na­he­zu kon­stant ge­blie­ben und das Wis­sen um IT-Si­cher­heit ge­stie­gen sei. Er­fas­sen läßt sich zu­dem, dass mehr als je­des drit­te deut­sche Un­ter­neh­men Nach­hol­be­darf in Sa­chen Di­gi­ta­li­sie­rung hat: Ei­ner Un­ter­su­chung der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Bos­ton Con­sul­ting Group (BCG) zu­fol­ge sind 36 Pro­zent der deut­schen Fir­men Nach­züg­ler in der Di­gi­ta­li­sie­rung, le­dig­lich ein Fünf­tel gel­ten als Vor­rei­ter. Dem­nach gel­ten Fir­men be­reits als Vor­rei­ter, wenn sie mehr als fünf Pro­zent der Be­triebs­kos­ten in Di­gi­ta­li­sie­rung und In­for­ma­tions­tech­no­lo­gie in­ves­tie­ren, mehr als 10 Pro­zent „di­gi­tal be­fä­hig­te“ Mit­ar­bei­ter be­schäf­ti­gen und ei­ne „di­gi­ta­le Kul­tur“ pfle­gen. Ei­ne tech­nik­op­ti­mis­ti­sche, ge­samt­ver­ant­wort­li­che Di­gi­tal­po­li­tik hat den Wan­del ent­spre­chend kri­tisch, be­hut­sam und sta­bi­li­sie­rend zu ge­stal­ten.

Di­gi­tal­po­li­tik mit Weit­blick

Di­gi­ta­li­sie­rung und Gleich­wer­tig­keit der Le­bens­be­din­gun­gen müs­sen zu Sy­no­ny­men wer­den. Dem Aus­ein­an­der­drif­ten der Le­bens­qua­li­tät in Stadt und Land ist Ein­halt zu ge­bie­ten. Sta­tis­tisch be­trach­tet wer­den in den kom­men­den zwan­zig Jah­ren länd­li­che Räu­me und kreis­freie Städ­te oh­ne An­schluss an ei­ne Me­tro­pol­re­gion schrump­fen. Über al­le Bran­chen und Qua­li­fi­ka­tions­ni­veaus hin­weg sinkt die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen. Hö­he­re Le­bens­er­war­tung und Über­al­te­rung füh­ren zu in­ten­si­ve­rem Be­hand­lungs­auf­wand, stei­gen­dem Be­darf an Ärz­ten und Kran­ken­pfle­ge­per­so­nal so­wie zu­sätz­li­chen Heraus­for­de­run­gen für Fach­kran­ken­häu­ser und Kli­ni­ken. Man­che Lü­cke im staat­li­chen Han­deln wird noch zäh­ne­knir­schend kom­mu­nal kom­pen­siert. Doch die Heraus­for­de­run­gen für In­fra­struk­tur, Da­seins­vor­sor­ge, so­zia­le und kul­tu­rel­le Teil­ha­be, Wirt­schafts­ent­wick­lung und Ar­beits­markt kön­nen von den Kom­mu­nen nicht al­lei­ne ge­löst wer­den.

Im Stre­ben nach gleich­wer­ti­gen Le­bens­ver­hält­nis­sen und Ar­beits­be­din­gun­gen plä­die­re ich mit Blick auf Ex­per­ti­sen der baye­ri­schen Wirt­schaft und un­ter Ver­weis auf Fort­schrit­te bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion so­wie Trends im Tou­ris­mus für ein ko­or­di­nier­tes Maß­nah­men­bün­del. Da­zu ge­hö­ren bei­spiels­wei­se die Er­tüch­ti­gung der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur, der flä­chen­de­cken­de ana­lo­ge und di­gi­ta­le In­fra­struk­tur­aus­bau nebst Ver­bes­se­rung des E-Govern­ments, De­re­gu­lie­run­gen im Ge­sund­heits­we­sen in­klu­si­ve Ein­zug ver­netz­ter te­le­me­di­zi­ni­scher An­wen­dun­gen, Big-Da­ta-Tech­no­lo­gien und Ser­vice­ro­bo­tern, bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf dank zu­sätz­li­cher Kin­der­be­treuungs- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen so­wie die ge­ziel­te Fach­kräf­te­si­che­rung.

Tou­ris­mus ist in Bayern ein wich­ti­ger Wirt­schafts­fak­tor und Im­puls­ge­ber. In Süd­ost­ober­bayern et­wa wer­den die Tou­ris­mus­re­gio­nen Inn-Salz­ach, Chiem­gau, Chiem­see-Al­pen­land und Berch­tes­ga­de­ner Land noch at­trak­ti­ver, wenn der Glas­fa­ser­aus­bau be­schleu­nigt wird, Lü­cken in den Mo­bil­funk­net­zen ge­schlos­sen wer­den so­wie das 5G-Mo­bil­funk­netz aus­ge­baut und zu­kunfts­orien­tier­te Ver­kehrs­kon­zep­te un­ter Ein­be­zie­hung der Elek­tro­mo­bi­li­tät voran­ge­trie­ben wer­den. Kom­mu­nal­po­li­tisch soll­ten die Bür­ger­be­tei­li­gungs­ver­fah­ren er­wei­tert wer­den. Ent­spre­chend dem 2018er Wahl­spruch der Pi­ra­ten­par­tei „Neu­start Bayern“ emp­feh­le ich mich ei­ner­seits als bo­den­stän­di­ger po­li­ti­scher Change­ma­na­ger und an­de­rer­seits als be­son­ne­ner kri­ti­scher Schritt­ma­cher für den so­zial­ver­ant­wort­li­chen Wan­del.

Wahl­auf­ruf

Ge­ne­rell gilt: Po­li­tik im Ver­fas­sungs­staat ist kom­plex. Und der Po­li­tik­be­trieb läßt bei nä­he­rer Be­trach­tung we­nig Spiel­raum für ein­fa­che Ur­sa­che-Wir­kung-Er­klä­run­gen – er er­for­dert Ei­gen­ini­tia­ti­ve so­wie im über­tra­ge­nen Sin­ne das lang­wie­ri­ge Boh­ren di­cker Bret­ter.

In al­ler Kür­ze: Un­ter den rund 150 bun­des­deut­schen Par­teien und Wäh­ler­ver­ei­ni­gun­gen ste­hen nur je­ne im Schein­wer­fer­licht, die ent­we­der zeit­wei­se oder dauer­haft die Le­ga­li­täts-, Mo­bi­li­sie­rungs- und Re­prä­sen­ta­tions­hür­den über­win­den, bei­spiels­wei­se Man­dats­trä­ger stel­len. Ober­halb die­ser Wahr­neh­mungs­schwel­le die­nen Po­li­tik- und Po­li­ti­ker­ver­dros­sen­heit so­wie Wech­sel­wahl, Wahl­ent­hal­tung, Wahl­ver­wei­ge­rung und Pro­test­wahl­ver­hal­ten De­mos­ko­pen wie Po­li­tik­ana­lys­ten als Deu­tungs­mus­ter für ein kon­kre­tes Phä­no­men – die seit Jahr­zehn­ten be­ob­acht­ba­re Auf­fä­che­rung der Par­teien­land­schaft. So könn­ten Um­fra­gen zu­fol­ge nach dem Ur­nen­gang vom 14. Ok­to­ber trotz der Fünf-Pro­zent-Sperr­klau­sel sie­ben Par­teien in Frak­tions­stär­ke im Maxi­mi­lia­neum ver­tre­ten sein. Aus his­to­ri­scher Er­fah­rung wird die­ser Zu­stand mit In­sta­bi­li­tät as­so­zi­iert.

Ge­si­chert scheint in­des, dass so­zio­kul­tu­rel­le, re­li­giö­se und tra­dier­te po­li­ti­sche Mi­lieus im­mer we­ni­ger Bin­dungs­kraft bei der an­ge­stamm­ten Be­völ­ke­rung ent­fal­ten. Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Sport- und Mu­sik­ver­ei­ne sind kaum noch ver­läß­li­che Grö­ßen zum Heran­bil­den po­li­ti­scher Funk­tions­trä­ger. Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler wie ich spre­chen von der Frag­men­tie­rung der Ge­sell­schaft. Hin­zu tre­ten et­wa In­te­gra­tions­de­fi­zi­te der tra­di­tio­nel­len (Groß-)Par­teien, In­te­gri­täts­ver­lus­te bei Po­li­ti­kern und Sta­tus­ge­fähr­dun­gen auf­grund so­zia­ler Be­wäl­ti­gungs­drü­cke bei Mo­der­ni­sie­rungs­pro­zes­sen, aus­ge­löst bei­spiels­wei­se durch Glo­ba­li­sie­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung und Mi­gra­tion. Im­mer stär­ker mo­ti­vie­ren da­her per­sön­lich drän­gen­de Sach­fra­gen und flüch­ti­ge Stim­mungs­la­gen zu sprung­haf­ten Wahl­hand­lun­gen – und stel­len Po­li­ti­ker vor Mo­bi­li­sie­rungs­schwie­rig­kei­ten.

All­ge­mein be­trach­tet folgt da­raus nicht zwangs­läu­fig das Sin­ken der Wahl­be­tei­li­gung. Die Wahl­be­reit­schaft steigt aber bei Kon­flikt­la­gen mit ein­deu­ti­gen, ak­zep­ta­blen Lö­sungs­an­ge­bo­ten. Po­la­ri­sie­ren­de Wahl­kämp­fe und der Rück­griff auf das ideo­lo­gi­sche Links-Mit­te-Rechts-Sche­ma die­nen dann so­wohl als Un­ter­schei­dungs­merk­mal zwi­schen pro­fil­schwa­chen Par­teien als auch der Dis­qua­li­fi­ka­tion von Po­li­tik­kon­zep­ten und Op­po­nen­ten. Klein­par­teien zie­hen in sol­chen Wahl­kämp­fen na­he­zu im­mer den Kür­ze­ren und schei­tern an der Sperr­klau­sel, wes­halb Wäh­ler­stim­men für die­se als ver­geu­det gel­ten. Bei der Bun­des­tags­wahl 2013 wur­den so fast sie­ben Mil­lio­nen Wäh­ler ent­täuscht, mit­hin 15,8 Pro­zent, da de­ren Stim­men für ge­schei­ter­te Klein­par­teien kei­nen Nie­der­schlag in der par­la­men­ta­ri­schen Po­li­tik fan­den: Re­kord in der Ge­schich­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

In die­ser Ge­men­ge­la­ge ha­ben de­mo­kra­tie­theo­re­ti­sche Ver­wei­se und emo­tio­na­le Ap­pel­le, zur Wahl zu ge­hen, den­noch ih­ren Reiz: et­wa der Hin­weis auf das Grund­ge­setz, wo­nach je­der Wahl­be­rech­tig­te ak­tiv an der De­mo­kra­tie mit­wir­ken kön­ne, der da­raus fol­gen­de Auf­ruf, die Stimm­ab­ga­be sei Bür­ger­pflicht, das da­mit ver­bun­de­ne Ver­spre­chen, je­de Stim­me zäh­le und gel­te gleich viel, die Aus­sicht, die Po­li­tik be­ein­flus­sen zu kön­nen, und so­gar der zwei­fel­haf­te Wink, selbst un­gül­ti­ge Wahl­zet­tel setz­ten ein Sig­nal an die Ent­schei­dungs­trä­ger.

Die­se Weg­wei­ser ver­mö­gen al­ler­dings nicht im­mer die par­ti­zi­pa­ti­ve Wirk­lich­keit ab­zu­bil­den: So kön­nen der Zwang zum Sam­meln ho­her Kon­tin­gen­te an Un­ter­stüt­zer­un­ter­schrif­ten, be­stimm­te Aus­zähl­ver­fah­ren, Sperr­klau­seln und die Par­teien­fi­nan­zie­rung durch­aus ge­gen die Grund­sät­ze der Wahl­rechts­gleich­heit und der Chan­cen­gleich­heit der Par­teien ver­sto­ßen. Die Rol­le der Mas­sen­me­dien und des In­ter­nets sei ein­mal aus­ge­blen­det.

Hier rü­cken nun Kon­zep­te in den Fo­kus, die den sin­gu­lä­ren Wahl­akt al­le paar Jah­re durch di­rek­te und in­di­rek­te de­mo­kra­ti­sche Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren flan­kie­ren und auf die­se Wei­se die Par­ti­zi­pa­tion je­des Ein­zel­nen för­dern so­wie Ent­täu­schun­gen ver­rin­gern soll­ten. Kon­kre­tes Trans­pa­renz-Bei­spiel fu­ßend auf der fort­schrei­ten­den Di­gi­ta­li­sie­rung: In der Rats­ar­beit nut­zen PIRATEN vor­be­halt­los das je­wei­li­ge Rats­in­for­ma­tions­sys­tem und das Mit­be­stim­mungs-Tool Open An­trag, un­ter­stüt­zen das Pro­jekt Of­fe­nerHaus­halt so­wie die Platt­form Open­Spen­ding. In­ner­halb der Pi­ra­ten­par­tei ist das Kon­zept der Li­quid De­mo­cracy als flie­ßen­der Über­gang zwi­schen di­rek­ter und in­di­rek­ter De­mo­kra­tie de­bat­tiert wor­den: Je­der Teil­neh­mer soll si­tua­tiv ent­schei­den, in­wie­weit er sei­ne In­ter­es­sen selbst wahr­nimmt oder ob er von an­de­ren ver­tre­ten wer­den möch­te. Außer­dem ken­nen die PIRATEN kein ex­klu­die­ren­des De­le­gier­ten­sys­tem auf Par­tei­ta­gen. Per­spek­ti­visch soll­ten ge­rin­ge­re Hür­den für Bür­ger- und Volks­be­geh­ren so­wie Volks­ent­schei­de auf Bun­des­ebe­ne ge­sell­schaft­lich breit dis­ku­tiert wer­den. Die Ver­fas­sungs­de­bat­te zur Amts­zeit­be­gren­zung darf nicht mit wahl­tak­ti­schem Kal­kül ge­führt wer­den. Die­se ge­nann­ten Ver­fah­ren be­deu­ten nicht au­to­ma­tisch ei­ne bes­se­re Po­li­cy, in­klu­die­ren aber stär­ker den Sou­ve­rän. Und die­se Par­ti­zi­pa­tions­kon­zep­te sind wähl­bar.

Di­gi­tal – kon­se­quent und so­zial“

In die­sem Jahr fei­ert der be­kann­tes­te Dienst im In­ter­net, das World Wide Web, sei­nen 25. Jah­res­tag. Im Ge­spräch sind heu­te un­ter an­de­rem: Big-Da­ta-Ana­ly­sen, Al­go­rith­men, In­dus­trie 4.0, In­ter­net of Things (IoT), Ro­bo­tik, Ar­ti­fi­cial In­tel­li­gence (AI), Aug­men­ted Re­ali­ty (AR), Vir­tual Re­ali­ty (VR), On­line Ga­mes, eSports, Wearables, Bio­me­trie, Plat­form Eco­no­mics, Sha­ring Eco­nomy, Kryp­to­wäh­run­gen, Cloud Com­pu­ting, 3D-Druck, IT-Si­cher­heit, Bots/Bot-Net­ze, Mal­ware, Ran­som­ware wie der Er­pres­sungs­tro­ja­ner WannaCry, Phi­shing/Vi­shing, Iden­ti­ty Theft, Ac­count-Miss­brauch, Da­ten­dieb­stahl, Cryp­to­jacking, Cyber­war, Droh­nen, IoT-Hacking und das Dark­net.

Sobald nun no­to­ri­sche Off­li­ner oder „di­gi­tal Ab­seits­ste­hen­de“ wort­ge­wal­tig in Agen­den, Mas­ter­plä­nen und Koa­li­tions­ver­trä­gen ei­ne wir­t­­schafts- und bür­ger­freund­li­che On­line-Po­li­tik für die Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft ver­spre­chen, re­al je­doch haupt­säch­lich die tech­no­lo­gi­sche Steue­rung der Ge­sell­schaft be­för­dern und die di­gi­ta­le Kluft ver­tie­fen, tra­gen sie viel­mehr zur Tech­nik­dys­to­pie bei. Exem­pla­risch für die Schwä­chung der Bür­ger­ge­sell­schaft kön­nen ste­hen: Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, „Anti-Coun­ter­feiting Trade Agree­ment (ACTA)“, In­trans­pa­renz bei „Trans­at­lan­tic Trade and In­ves­tment Part­ner­ship (TTIP)“, „Com­pre­hen­sive Eco­no­mic and Trade Agree­ment (CETA)“ und „Trade in Ser­vi­ces Agree­ment (TiSA)“, Stö­rer­haf­tung, NSA-Skan­dal, In­fra­ge­stel­lung der Netz­neu­tra­li­tät, Wahl­be­ein­flus­sung durch Cam­bridge Ana­ly­ti­ca, Staats­tro­ja­ner/„Gesetz zur ef­fek­ti­ve­ren und pra­xis­taug­li­che­ren Aus­ge­stal­tung des Straf­ver­fahrens“, „Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz (NetzDG)“, Han­dy-Or­tun­gen/„nicht-in­di­vi­dua­li­sier­te Funk­zel­len­ab­fra­gen“, „Zen­sur­pa­ra­do­xie“ bei Face­book, „Sha­dow ban­ning“ bei Twit­ter, „Pre­dic­ti­ve Po­li­cing“, be­stimm­te Voll­mach­ten in neu­en Po­li­zei­auf­ga­ben­ge­set­zen, EU-Up­load­fil­ter ge­gen „Ur­he­ber­rechts­ver­let­zun­gen“, „Deep­fakes“ zur Bild­ma­ni­pu­la­tion, Block­chain als Da­ten­his­to­rie zur smar­ten Über­wa­chung oder gar ein So­zial­kre­dit­sys­tem wie in Chi­na. 100 Jah­re Frei­staat Bayern könn­ten ein her­vor­ra­gen­der An­laß sein, ei­ne op­ti­mis­ti­sche Zu­kunft an­zu­pei­len: „di­gi­tal – kon­se­quent und so­zial“.

Mei­ne zen­tra­len po­li­ti­schen The­men: Glo­ba­li­sie­rung, ge­samt­ver­ant­wort­li­che Di­gi­tal­po­li­tik, Bür­ger­rech­te, Da­ten­schutz und in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, Wirt­schafts­för­de­rung und Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gien für Un­ter­neh­men, In­dus­trie 4.0, Ro­bo­tik, KI, Ar­beit 4.0, Friction­less Shopping, Smart Cities, Smart Homes, Connected Cars, Automated Farming.

Mei­ne Zie­le in der Bil­dungs-, Wirt­schafts- und Si­cher­heits­po­li­tik: För­der­pro­gram­me für Start-ups/In­no­va­to­ren/FuE, Fle­xi­bi­li­sie­rung/Vir­tua­li­sie­rung der Ar­beits­or­ga­ni­sa­tion, zu­kunfts­si­che­re Qua­li­fi­zie­rung, di­gi­ta­li­sie­rungs­orien­tier­te Lehr­plä­ne und Bib­lio­the­ken, emis­sions­freie Mo­bi­li­tät, per­for­man­te Kom­mu­ni­ka­tions­sys­te­me, Da­ten­si­cher­heit und Da­ten­schutz – Schutz der Pri­vat-/In­tim­sphä­re, Cyber­se­cu­ri­ty – auch im Ga­ming/eSport-Seg­ment, bür­ger­freund­li­ches eoGo­vern­ment, ro­bus­te kri­ti­sche In­fra­struk­tu­ren.

Mein po­li­ti­sches Ziel im Stimm­kreis: ein In­no­va­tions­schub, der Ro­sen­heims zen­tral­ört­li­che Be­deutung zwi­schen Mün­chen, Salz­burg und Inns­bruck stärkt. Er soll­te Ro­sen­heims Pro­fil als Holz­stadt, in der Kul­tur, als Ein­kaufs- und Er­leb­nis­stadt, im Tou­ris­mus, in Han­del und Re­gio­nal­wirt­schaft so­wie in der In­for­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­tions­tech­nik mit zu­kunfts­träch­ti­gen Lö­sun­gen wei­ter­ent­wi­ckeln, die Al­lein­stel­lungs­merk­ma­le des Le­bens- und Ar­beits­rau­mes ak­zen­tu­ie­ren, die Bür­ger­be­tei­li­gung er­hö­hen und die Fi­nanz­la­ge ent­schär­fen hel­fen.

Ready to dis­rupt con­ven­tio­nal po­li­tics

Mit Erst- und Zweit­stim­me am 14. Ok­to­ber wähl­bar: Dr. Olaf Konstantin Krueger, M.A. Wirt­schafts­geo­graf und Pub­li­zist.
Par­tei: Piraten­par­tei Deutsch­land, Kurz­be­zeich­nung: PIRATEN.
Direkt­kan­di­dat der Piraten­par­tei Deutsch­land für den Stimm­kreis 128 (Ro­sen­heim-West) und Platz 2 der ober­baye­ri­schen Lis­te der Piraten­par­tei Deutsch­land zur Wahl des 18. Baye­ri­schen Land­ta­ges.
Direkt­kan­di­dat der Piraten­par­tei Deutsch­land für den Stimm­kreis 112 (Berch­tes­ga­de­ner Land) und Platz 3 der ober­baye­ri­schen Be­zirks­lis­te der Piraten­par­tei Deutsch­land zur Wahl des 16. Be­zirks­tags von Ober­bayern. 
 

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