Kandidatur für den Kreistag Rosenheim und den Gemeinderat Oberaudorf 2020
Krueger: „Digitalisierung muss strategische Aufgabe werden“

Rosenheim/Oberaudorf — „Ab­war­ten­de Kom­mu­nen dro­hen von der di­gi­ta­len Struk­tur­dis­rup­tion ge­schlif­fen zu wer­den“, mahnt Dr. Olaf Konstantin Krueger. Die Kom­mu­nal­po­li­tik sei bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion in der Pflicht, das Heft des Han­delns in der Hand zu be­hal­ten, die Di­gi­ta­li­sie­rung zur stra­te­gi­schen Auf­ga­be zu er­klä­ren und die Bür­ger­schaft in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Da­für emp­fiehlt der Di­gi­tal­po­li­ti­ker „ei­ne sinn­stif­ten­de, ver­trauens­wür­di­ge, ge­stalt­ba­re Vor­stel­lung von der ört­li­chen Zu­kunft, die Orien­tie­rung, Halt und Kraft gibt“. Krueger, der bei der Kom­mu­nal­wahl am 15. März 2020 so­wohl für den Kreis­tag Ro­sen­heim als auch für den Ge­mein­de­rat Ober­au­dorf kan­di­diert, be­nennt im Sin­ne des Pro­jek­tes „Di­gi­ta­les Dorf!“ drei kom­mu­nal­po­li­ti­sche Schwer­punk­te in der nächs­ten Le­gis­la­tur: In­for­ma­tions­sharing, Mit­be­stim­mung und Bür­ger­ser­vices. In sei­ner Hei­mat­ge­mein­de will der Wirt­schafts­geo­graf die Trans­for­ma­tion Ober­au­dorfs zum „Smart Village“ über ei­ne „di­gi­ta­le Agen­da“ voll­zie­hen: „Ober­au­dorf 4.0“. Save the­se dates: Kan­di­da­ten­vor­stel­lung am Don­ners­tag, 27. Fe­bru­ar, 19 Uhr bis 21 Uhr, Café-Bar Leicht­sinn, Bad-Trißl-Stra­ße 4 in Ober­au­dorf so­wie Kan­di­da­ten­vor­stel­lung mit Im­puls­vor­trag am Mitt­woch, 4. März, 19 Uhr bis 21 Uhr, Res­tau­rant und Wein­bar zum San­ta, Max-Jo­sefs-Platz 20 in Ro­sen­heim.

Inhalt

• Ein­füh­rung
• Di­gi­ta­li­sie­rung als Trei­ber der Dorf­er­neue­rung
• In­di­vi­du­el­le kom­mu­na­le Trans­for­ma­tions­pro­zes­se
• E‑Govern­ment: Er­tüch­ti­gung der Ver­wal­tung
• „Oberaudorf 4.0“
• Kom­mu­nal­wah­len 2020: Mög­lich­kei­ten der Stimm­ab­ga­be

Ein­füh­rung

Die Di­gi­ta­li­sie­rung durch­dringt Ge­sell­schaft, Wirt­schaft und Kul­tur, ver­än­dert sie tief­grei­fend. Dies ver­deut­li­chen ei­ni­ge ⭲ Schlag­lich­ter: Di­gi­ta­le Leit­tech­no­lo­gien wie Al­go­rith­mik, Künst­li­che In­tel­li­genz, Sen­so­rik, Ro­bo­tik, 3D-Druck so­wie Video- und Aug­mented-Reality-Streams trans­for­mie­ren Ar­beits­wei­sen, Pro­duk­tion und Ge­schäfts­mo­del­le. In­tel­li­gen­te und ver­netz­ten Fahr­zeu­ge, Ruf­bus­sys­te­me, Am­pel­pha­sen- und ver­kehrs­op­ti­mier­te Fahr­pla­nung, te­le­ope­rier­tes Fah­ren so­wie Au­to­no­mous Par­king in­no­vie­ren die länd­li­che und städ­ti­sche Mo­bi­li­tät. Di­gi­ta­le Tech­no­lo­gien för­dern Feld­be­stel­lung, Nach­hal­tig­keit und Trans­pa­renz in der Land­wirt­schaft. Cloud Computing, Big Data, Block­chain und Ro­bo­ter hal­ten Ein­zug in die Le­bens­mit­tel­un­ter­neh­men. Virtual Reality sti­mu­liert Games und Tou­ris­mus. Da­ten­ban­ken mit Di­gi­sa­ten er­wei­tern Bib­lio­the­ken, Mu­seen, Ar­chi­ve und For­schungs­be­stän­de. Lehr­plan­orien­tier­te Lern­soft­ware un­ter­stützt die Bil­dung. Te­le­me­di­zin, HealthTech und Wearables ver­än­dern das Ge­sund­heits­we­sen und ver­spre­chen Kos­ten­ein­spa­run­gen so­wie neue The­ra­pie­kon­zep­te für Jung und Alt. Di­gi­tal­tech­nik un­ter­stützt ein selbst­be­stimm­tes und selbst­stän­di­ges Woh­nen. Di­gi­ta­le Dienst­leis­tun­gen in der Nah­ver­sor­gung er­hö­hen die Le­bens­qua­li­tät. Die Di­gi­ta­li­sie­rung öf­fent­li­cher Ver­wal­tun­gen op­ti­miert Ar­beits­pro­zes­se, senkt Kos­ten für Kom­mu­ni­ka­tion, Ko­or­di­na­tion und Ko­opera­tion, er­mög­licht das Nut­zen von Dienst­leis­tun­gen orts­un­ab­hän­gig und rund um die Uhr. Di­gi­ta­le Tech­no­lo­gien be­ein­flus­sen über­dies Ver­hal­tens­wei­sen, Kom­mu­ni­ka­tion, Be­dürf­nis­se und Le­bens­sti­le. Kur­zum: Di­gi­ta­li­sie­rung be­trifft je­den.

Das System Deutsch­land braucht kein Up­date, es braucht ei­nen Re­start.
Wir müs­sen das Di­gi­ta­le von Grund auf neu den­ken – in Staat, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft. Statt ei­ner Viel­zahl an Stra­te­gien brau­chen wir ei­ne Di­gi­tal­po­li­tik aus ei­nem Guss, die sich auf un­se­re spe­zi­fi­schen Stär­ken kon­zen­triert und die­se ins di­gi­ta­le Zeit­al­ter über­führt.
Achim Berg, Bitkom-Prä­si­dent, 20. Ja­nu­ar 2020

Gleich­wohl se­hen di­ver­se Ran­kings Nach­hol­be­darf bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der welt­weit viert­größ­ten Volks­wirt­schaft. Bei­spiel: Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­sion über­wacht seit 2015 die di­gi­ta­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Mit­glied­staa­ten der Eu­ro­päi­schen Union (EU). Die Er­geb­nis­se do­ku­men­tiert der Be­richt zum ⭱ „Digital Economy and Society Index (DESI)“, dem „In­dex für die di­gi­ta­le Wirt­schaft und Ge­sell­schaft“. Da­nach stand die Bun­des­re­pu­blik im Jahr 2019 un­ter den 28 Mit­glied­staa­ten an zwölf­ter Stel­le: Dank ei­ner Fest­netz­ab­deckung von 98 Pro­zent wird sie als „leis­tungs­stark“ be­wer­tet (Rang 11). Den­noch sei die „di­gi­ta­le Kluft zwi­schen Stadt und Land nach wie vor of­fen­sicht­lich“ be­zo­gen auf die NGA-Breit­band­ver­sor­gung (Next Ge­ne­ra­tion Access): Der An­teil der Glas­fa­ser­an­schlüs­se sei im Ver­gleich „im­mer noch sehr ge­ring“, der Aus­bau der 5G-In­fra­struk­tur müs­se „sorg­fäl­tig mit an­de­ren Zie­len wie länd­li­che Ent­wick­lung und Qua­li­tät der Diens­te für End­nut­zer ab­ge­stimmt wer­den“. Wei­te­re Bau­stel­len: Bei den di­gi­ta­len öf­fent­li­chen Diens­ten liegt die Bun­des­re­pu­blik an 24. Stel­le un­ter den 28 Mit­glied­staa­ten. Nur 43 Pro­zent der Bun­des­bür­ger nutz­ten E‑Govern­ment-Diens­te (Rang 26; EU-Durch­schnitt: 64 Pro­zent). Der In­dex be­nennt da­her die Ver­bes­se­rung der On­line-In­ter­ak­tion zwi­schen Be­hör­den und Bür­gern als „größ­te di­gi­ta­le Heraus­for­de­rung“. Im Be­reich E‑Health steht die Bun­des­re­pu­blik auf dem vor­letz­ten Platz (Rang 27; EU-Durch­schnitt: 18 Pro­zent). Da­bei tausch­ten zwar 26 Pro­zent der Ärz­te me­di­zi­ni­sche Da­ten aus und 19 Pro­zent der All­ge­mein­me­di­zi­ner stell­ten elek­tro­ni­sche Ver­schrei­bun­gen aus, doch nur sie­ben Pro­zent der Bun­des­bür­ger nutz­ten on­line an­ge­bo­te­ne Be­hand­lungs- und Ver­sor­gungs­an­ge­bo­te.

Di­gi­ta­li­sie­rung als Trei­ber der Dorf­er­neue­rung

Ein Trend setzt sich un­ter­des­sen fort: ⭲ Ur­ba­ne Groß­räu­me wach­sen, länd­li­che Re­gio­nen schrump­fen. Das Stre­ben nach gleich­wer­ti­gen Le­bens­ver­hält­nis­sen und Ar­beits­be­din­gun­gen ge­mäß Art. 72 GG und Art. 3 Abs. 2 Satz 2 BV wird schwie­ri­ger un­ter den Be­din­gun­gen der Me­tro­po­li­sie­rung, Glo­ba­li­sie­rung, Di­gi­ta­li­sie­rung, Mas­sen­mi­gra­tion und des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels. Kon­se­quenz für die Kom­mu­nal­po­li­tik: Un­ter dis­rup­ti­ven Ver­hält­nis­sen er­schei­nen her­kömm­li­che Me­tho­den der Raum­pla­nung und der re­gio­na­len Struk­tur­po­li­tik ob ih­rer Schwer­fäl­lig­keit und Linea­ri­tät kaum mehr als Pro­blem­lö­ser ge­eig­net, das Dorf und sei­ne Ge­mein­schaft als (Über-)Le­bens­mo­dell zu er­hal­ten – pla­ka­tiv for­mu­liert: Zu­sätz­li­cher Be­ton und Teer de­cken we­der das Be­dürf­nis der Bür­ger nach ei­nem Mehr­wert der länd­li­chen Sied­lung, noch be­frie­di­gen sie de­ren Wunsch nach ei­ner vi­ta­len Dorf­ge­mein­schaft mit zeit­ge­mä­ßen An­nehm­lich­kei­ten.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung bie­tet für die länd­li­chen Räu­me un­be­grenz­te Mög­lich­kei­ten,
was die Fle­xi­bi­li­tät be­trifft, was neue For­men von Mo­bi­li­tät be­trifft,
was neue Ge­schäfts­mo­del­le be­trifft.
Ilse Aigner (CSU), Prä­si­den­tin des Baye­ri­schen Land­tags, 9. April 2019

In der De­bat­te um die Re­vi­ta­li­sie­rung der länd­li­chen Re­gio­nen wird der Di­gi­ta­li­sie­rung bei zen­tra­len Heraus­for­de­run­gen wie Land­flucht, Über­al­te­rung, Fach­kräf­te­man­gel, Leer­stand und Rück­zug von Ver­sor­gungs­an­ge­bo­ten ein ho­hes Lö­sungs­po­ten­zial zu­ge­spro­chen. So zeigt das ganz­heit­lich an­ge­leg­te und von der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung ge­för­der­te ⭱ Pro­jekt „Di­gi­ta­les Dorf!“ mit sei­ner In­fo-Platt­form ⭱ „Dahoam 4.0“, wie die Di­gi­ta­li­sie­rung das Le­ben auf dem Land at­trak­tiv und zu­gleich nach­hal­tig in elf Hand­lungs­fel­dern ge­stal­ten kann: bei den Diens­ten Ver­wal­tung, Nah­ver­sor­gung und Nach­bar­schafts­hil­fe, in der Bil­dung, Me­di­zin und Pfle­ge, bei der Mo­bi­li­tät, beim Woh­nen und Ar­bei­ten, in der Ener­gie­ver­sor­gung, Land­wirt­schaft, Kul­tur und im Tou­ris­mus.

Be­kun­dung: Der in­for­ma­tions­tech­nisch in­du­zier­te Wan­del kann als Trei­ber für Wert­schöp­fung, Dorf­lo­gis­tik und De­mo­kra­ti­sie­rung wir­ken. Ana­log zum Kon­zept der Smart City ist das Smart Village im Ver­gleich zum her­kömm­li­chen Dorf wirt­schaft­li­cher, nach­hal­ti­ger, ener­gie­ef­fi­zien­ter und bür­ger­freund­li­cher. Und ana­log zu ur­ba­nen Groß­räu­men nutzt die ver­netz­te Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft in den länd­li­chen Re­gio­nen die sel­be IT-In­fra­struk­tur. Der­weil ver­schärft aber ge­ra­de ⭲ der schlep­pen­de Aus­bau der Breit­band- und Mo­bil­funk­ver­sor­gung in den länd­li­chen Re­gio­nen noch die Un­ter­schie­de: An­wen­dungs­sze­na­rien wie Di­gi­tal Farming, Smart City/Smart Village, Smart Home, Ambient as­sisted li­ving, ver­netz­te Mo­bi­li­tät, di­gi­ta­le Bil­dung, Te­le­me­di­zin, Home Office, Co­working Spaces oder Di­gi­ta­le Ver­wal­tung sind be­ein­träch­tigt. Au­ßer­dem man­gelt es an kom­pe­ten­ten kom­mu­na­len „Pro­mo­to­ren“ und „Driving Actors“, die die­se Trans­for­ma­tion dia­lo­gisch, ver­trauens­voll und cou­ra­giert ge­stal­ten.

In­di­vi­du­el­le kom­mu­na­le Trans­for­ma­tions­pro­zes­se

Die Kom­mu­nen blei­ben bei Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten auch im Di­gi­tal­zeit­al­ter pri­mä­rer An­sprech­part­ner für Bür­ger und Un­ter­neh­men. Zu­gleich blei­ben sie trotz ih­rer Ver­net­zung he­te­ro­gen, ih­re An­sprü­che, ihr För­der­be­darf un­ter­schied­lich. Supple­ment: Aus­ge­hend vom tat­säch­li­chen oder ver­mu­te­ten Pro­blem­lö­sungs­po­ten­zial sind Po­li­tik und Ver­wal­tung auf al­len Ebe­nen mit Fra­gen der ge­mein­wohl­ver­träg­li­chen Ge­stal­tung der Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se kon­fron­tiert. Re­gu­la­to­ri­sche Maß­nah­men der EU so­wie die E‑Govern­ment-Ge­setz­ge­bung des Bun­des und des Frei­staa­tes Bayern er­for­dern von den baye­ri­schen Kom­mu­nen die zeit­na­he di­gi­ta­le Trans­for­ma­tion ih­rer Struk­tu­ren und Pro­zes­se. Künf­tig müs­sen die Kom­mu­nen ih­re Leis­tungs­an­ge­bo­te mög­lichst voll­stän­dig und nut­zer­freund­lich on­line be­reit­stel­len. Vie­le Be­rei­che der Da­seins­vor­sor­ge sol­len da­durch leis­tungs­fä­hi­ger wer­den, das Le­bens­um­feld at­trak­ti­ver. We­gen un­ter­schied­li­cher Voraus­set­zun­gen und Res­sour­cen ei­ner­seits und dis­rup­ti­ver Tech­no­lo­gie­schü­be an­de­rer­seits ge­hen die Kom­mu­nen je­doch die­sen Trans­for­ma­tions­pro­zess un­ter­schied­lich an: teils be­hä­big, teils ex­peri­men­tell, teils kon­zep­tio­nell mit­tels ⭲ Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie wie die kreis­freie Stadt Ro­sen­heim.

Ziel muss sein, dass länd­li­che Re­gio­nen den di­gi­ta­len Wan­del nut­zen,
um ein ei­ge­nes Pro­fil zu ent­wi­ckeln.
Dr. Till Backhaus, Mi­nis­ter für Land­wirt­schaft und Um­welt Meck­len­burg-Vor­pom­mern, 6. No­vem­ber 2019

Fo­kus: Land­kreis Ro­sen­heim. Je nach Po­ten­zial und Tech­nik­af­fi­ni­tät der Ro­sen­hei­mer Land­kreis­kom­mu­nen wid­men sich die­se der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion mehr oder we­ni­ger in­ten­siv. Ih­re Teil­nah­me an ein­schlä­gi­gen ⭲ För­der­pro­gram­men legt die Ver­mu­tung na­he, dass sie zu­min­dest die Be­deu­tung gu­ter Breit­band- und Mo­bil­funk­ver­sor­gung für die Gi­ga­bit-Ge­sell­schaft er­kannt ha­ben. Zu­gleich ste­hen sie vor der Heraus­for­de­rung, bei stei­gen­den Nut­zungs­zah­len die Di­gi­ta­li­sie­rung mehr­wert­orien­tiert, bür­ger­nah, trans­pa­rent, nach­hal­tig und aus­fall­si­cher zu ge­stal­ten. Da­zu be­nö­ti­gen die Kom­mu­nen ne­ben di­gi­­tal-kom­pe­­ten­­ten Kreis‑, Ge­mein­de- oder Stadt­rä­ten vor al­lem das Ver­trauen der Bür­ger­schaft in die neu­en Mit­tel und tech­ni­schen In­stru­men­te des di­gi­ta­len Ver­wal­tens und der di­gi­ta­len Teil­ha­be. Da­bei ste­hen die Kom­mu­nen in der Ver­ant­wor­tung, so­wohl die Funk­tions­fä­hig­keit, Kom­pa­ti­bi­li­tät und Si­cher­heit ih­rer ver­netz­ten kri­ti­schen In­fra­struk­tu­ren voll­um­fäng­lich zu ga­ran­tie­ren, als auch mit­tels Da­ta Po­li­cies ih­ren ex­klu­si­ven Um­gang mit den er­ho­be­nen Da­ten­be­stän­den im Sin­ne der Da­ten­si­cher­heit, des Da­ten­schut­zes und der Da­ten­spar­sam­keit zu re­gu­lie­ren.

E‑Govern­ment: Er­tüch­ti­gung der Ver­wal­tung

Die baye­ri­schen Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen ste­hen un­ter dop­pel­tem Druck. Zum ei­nen müs­sen sie ih­re 575 Dienst­leis­tun­gen ge­mäß „On­line­zu­gangs­ge­setz (OZG)“ bis zum 31. De­zem­ber 2022 auch über das In­ter­net an­bie­ten. Da­bei wer­den sie durch­aus un­ter­stützt: Im Auf­trag des Frei­staa­tes Bayern stellt die ⭱ „An­stalt für Kom­mu­na­le Da­ten­ver­ar­bei­tung in Bayern (AKDB)“ Kom­mu­nen und Be­hör­den zen­tra­le Grund­funk­tio­nen be­reit und be­treibt die­se (Bayern-ID): die si­che­re Iden­ti­fi­ka­tion von Nut­zern, die Kom­mu­ni­ka­tion und das Be­zah­len im In­ter­net. Da­durch kön­nen be­reits mehr als 1.300 Kom­mu­nen ih­ren Bür­gern on­line me­dien­bruch­freie Ver­wal­tungs­dienst­leis­tun­gen an­bie­ten (Bür­ger­ser­vice-Por­tal). Da­zu zäh­len über 80 Diens­te, da­run­ter Ge­burts-/Hei­rats-/Le­bens­part­ner­schafts-/Ster­be­ur­kun­de, Mel­de­be­schei­ni­gung, Aus­weis­pa­pie­re, Brief­wahl­un­ter­la­gen, Kraft­fahr­zeug­zu­las­sung (i-Kfz), Füh­rer­schei­ne, Fein­staub­pla­ket­te, Be­woh­ner­park­aus­weis, Sta­tus­ab­fra­ge Bau­an­trag und Ge­wer­be­an­mel­dung. Für bun­des­wei­te Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­te stellt die AKDB län­­der- und ver­wal­tungs­über­grei­fen­de E‑Govern­ment-Lö­sun­gen be­reit, um die Di­gi­ta­li­sie­rung in Deutsch­land ge­zielt voran­zu­trei­ben. Hier geht es nicht um Tech­no­lo­gie, son­dern um das An­ge­bot, Ver­wal­tungs­dienst­leis­tun­gen im Di­gi­tal­zeit­al­ter dort ab­ru­fen zu kön­nen, wo sie er­war­tet und nach­ge­fragt wer­den: im Bür­ger­bü­ro, zu­hau­se, un­ter­wegs.

Beim E‑Govern­ment ist Deutsch­land nicht ein­mal mehr eu­ro­päi­sches Mit­tel­maß,
son­dern wur­de nach hin­ten durch­ge­reicht.
Achim Berg, Bitkom-Prä­si­dent, 17. No­vem­ber 2019

Zum an­de­ren ver­än­dern sich die An­sprü­che der Bür­ger. So re­gis­triert das ⭱ „Euro­pean Di­gi­tal Govern­ment Ba­ro­me­ter 2019“ – ei­ne Be­fra­gung von Bür­gern aus Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­nien, Nor­we­gen, Spa­nien und Ita­lien – für die Bun­des­re­pu­blik zwar ei­ne gro­ße Be­reit­schaft, Be­hör­den­an­ge­le­gen­hei­ten über On­line-Por­ta­le zu er­le­di­gen: Mehr als drei Vier­tel (78 Pro­zent) der Be­frag­ten kann sich grund­sätz­lich vor­stel­len, sämt­li­che Bür­ger­ser­vi­ces on­line zu nut­zen. Al­ler­dings ist die Zahl im Ver­gleich zu den frü­he­ren Be­fra­gun­gen rück­läu­fig (2018: 83 Pro­zent, 2017: 85 Pro­zent). Nach dem di­gi­ta­len Ver­wal­tungs­an­ge­bot von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen be­fragt, stuf­ten 2019 im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren so­gar ten­den­ziell we­ni­ger Bür­ger den Rei­fe­grad der Di­gi­ta­li­sie­rung der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung als fort­schritt­lich ein (2019: 45 Pro­zent, 2018: 48 Pro­zent, 2017: 42 Pro­zent, 2016: 53 Pro­zent). Dies deckt sich mit dem Er­geb­nis vom ⭱ „Zu­kunfts­pa­nel Staat und Ver­wal­tung 2019“, ei­ner deutsch­land­wei­ten Be­hör­den­be­fra­gung auf al­len Ver­wal­tungs­ebe­nen. Die­se Stu­die hat für 2019 er­mit­telt, dass für die Be­hör­den die Wei­ter­ent­wick­lung des E‑Govern­ments die wich­tigs­te Heraus­for­de­rung ist (74,8 Pro­zent) noch vor der Per­so­nal­po­li­tik (43,4 Pro­zent). Er­folg­rei­che Di­gi­ta­li­sie­rung ist da­mit so­wohl auf die Mit­wir­kung der Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ter an­ge­wie­sen als auch auf die Ak­zep­tanz der Bür­ger. Ob die je­wei­li­ge Kom­mu­ne ei­nen „Chief In­for­ma­tion Ma­na­ger (CIO)“ ein­setzt, der in­tern für die op­ti­ma­le Aus­rich­tung der IT-In­fra­struk­tur ver­ant­wort­lich ist, oder ei­nen „Chief Di­gi­tal Of­fi­cer (CDO)“ be­auf­tragt, der die Di­gi­ta­li­sie­rung haupt­amt­lich ko­or­di­niert und zu­sätz­lich nach au­ßen wirkt, ist si­tua­tions­ab­hän­gig.

Oberaudorf 4.0“

Fo­kus: Ro­sen­heims Land­kreis­ge­mein­de Ober­au­dorf. Da­mit ei­ne vom Tou­ris­mus ge­präg­te länd­li­che Kom­mu­ne wie Ober­au­dorf die Chan­cen der Di­gi­ta­li­sie­rung wahr­neh­men kann, ist de­ren Ge­stalt­bar­keit vom Ge­mein­de­rat sou­ve­rän an­zu­er­ken­nen und das Ef­fi­zienz­po­ten­zial in ei­ne en­er­gie- und res­sour­cen­scho­nen­de, re­si­lien­te, bür­ger­zen­trier­te und so­zial ver­träg­li­che Kom­mu­nal­po­li­tik zu über­set­zen. Hier­bei ist der fi­nan­ziel­le Rah­men der Ge­mein­de zu be­rück­sich­ti­gen: Das Ge­samt­vo­lu­men des Haus­hal­tes be­trägt rund 15,7 Mil­lio­nen Eu­ro, wo­von 10,4 Mil­lio­nen Eu­ro auf den Ver­wal­tungs­haus­halt und 5,3 Mil­lio­nen Eu­ro auf den Ver­mö­gens­haus­halt ent­fal­len. Die größ­te In­ves­ti­tion in den Jah­ren 2019 bis 2022 ist mit 14,35 Mil­lio­nen Eu­ro der Neu­bau der Klär­an­la­ge in Nie­der­au­dorf und mit ei­ner Mil­lion Eu­ro der Neu­bau des Kin­der­gar­tens mit Woh­nungs­bau in Ober­au­dorf. Die Ge­wer­be­ein­nah­men sind al­ler­dings von 2016 (2,3 Mil­lio­nen Euro) bis 2019 (ei­ne Mil­lion Eu­ro) kon­ti­nu­ier­lich ge­sun­ken. Die Ge­samt­ver­schul­dung liegt bei et­wa 2,7 Mil­lio­nen Eu­ro, die Pro-Kopf-Ver­schul­dung bei 520 Eu­ro. Stren­ge Haus­halts­dis­zi­plin ist an­ge­sagt. Ent­las­tung: Baye­ri­sche Kom­mu­nen wer­den bei der Um­set­zung von Di­gi­tal­pro­jek­ten ge­för­dert. Ab­war­ten­de Kom­mu­nen dro­hen hin­ge­gen von der di­gi­ta­len Struk­tur­dis­rup­tion ge­schlif­fen zu wer­den.

Kom­mu­na­le Dienst­leis­tun­gen on­line nut­zen zu kön­nen, ist of­fen­bar bei wei­tem noch kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit – schon gar nicht über die ge­sam­te Band­brei­te.
Dr. Kai H. Warnecke, Prä­si­dent Haus & Grund Deutschland e. V., 26. Fe­bru­ar 2020

Maß­ga­be: Die Kom­mu­nal­po­li­tik ist bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­tion in der Pflicht, das Heft des Han­delns in der Hand zu be­hal­ten, die Di­gi­ta­li­sie­rung zur stra­te­gi­schen Auf­ga­be zu er­klä­ren und da­bei die Bür­ger­schaft in den Mit­tel­punkt zu stel­len. Da­für ist ei­ne sinn­stif­ten­de, ver­trauens­wür­di­ge, ge­stalt­ba­re Vor­stel­lung von der ört­li­chen Zu­kunft zu ent­wer­fen, die Orien­tie­rung, Halt und Kraft gibt. Der Weg hin zu ei­nem Pro­jekt „Ober­au­dorf 4.0“ be­ginnt un­ter Ein­be­zie­hung der Ge­mein­de­bür­ger mit ei­ner SWOT-Ana­lyse, führt über die Fest­le­gung ei­ner Dorf­vi­sion mit dörf­li­chem Leit­bild zum Nar­ra­tiv der Mis­sion und mün­det mit der Kon­fi­gu­ra­tion ei­nes stra­te­gi­schen Hand­lungs­port­fo­lios in die Neu­po­si­tio­nie­rung. Im Sin­ne ei­ner ⭲ „so­zial­di­gi­ta­len Kom­mu­nal­po­li­tik“ sind drei Eck­pfei­ler be­deut­sam: In­for­ma­tions­sharing, Mit­be­stim­mung und Bür­ger­ser­vi­ces. Kon­kret be­deutet dies den Ein­satz in der an­ste­hen­den Le­gis­la­tur:
• für ein leis­tungs­star­kes, flä­chen­de­cken­des und ro­bus­tes Gi­ga­bit-Netz
• für ein funk­tio­nie­ren­des of­fe­nes WLAN im Orts­kern so­wie in al­len öf­fent­li­chen Ver­wal­tungs­ge­bäu­den und im Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr
• für die in­tel­li­gen­te Ver­net­zung der kom­mu­na­len IT-In­fra­struk­tur, der Schul- und Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen so­wie des ÖPNV
• für die On­line-Ver­öf­fent­li­chung kom­mu­na­ler Ent­schei­dungs­un­ter­la­gen und Da­ten wie Haus­halts­plä­ne und Amts­blät­ter in ei­ner bar­riere­freien, of­fe­nen und be­ar­beit­ba­ren Form
• für das Streamen öf­fent­li­cher Rats­sit­zun­gen und Bür­ger­ver­samm­lun­gen so­wie
• für ei­ne Bür­ger-App mit In­for­ma­tio­nen über kom­mu­nal be­deut­sa­me Vor­gän­ge und Leis­tun­gen, tou­ris­ti­sche Or­te und ÖPNV so­wie Wohn­raum­an­ge­bo­te und In­fra­struk­tur in­klu­si­ve Funk­tion für Chat und E‑Par­ti­zi­pa­tion.

Kom­mu­nal­wah­len 2020: Mög­lich­kei­ten der Stimm­ab­ga­be

In Bayern fin­den al­le sechs Jah­re Kom­mu­nal­wah­len statt. Die letz­ten wa­ren am 16. März 2014. Die nächs­ten sind am Sonn­tag, 15. März 2020. Die Wahl­be­nach­rich­ti­gun­gen wer­den vom 10. Fe­bru­ar 2020 an ver­sandt und die be­an­trag­ten Wahl­schei­ne mit Brief­wahl­un­ter­la­gen er­teilt. Die Ab­stim­mung am Wahl­tag dau­ert in den Stimm­be­zir­ken von 8 Uhr bis 18 Uhr. Wahl­brie­fe müs­sen spä­tes­tens um 18 Uhr bei der Ge­mein­de, die die Wahl­schei­ne aus­ge­stellt hat, ein­ge­gan­gen sein. Die Wahl­perio­de der Ge­mein­de­rä­te, Bür­ger­meis­ter, Ober­bür­ger­meis­ter und Land­rä­te be­trägt sechs Jah­re. Die Wahl­be­rech­tig­ten ent­schei­den da­mit über die Kom­mu­nal­po­li­tik der nächs­ten sechs Jah­re.

Bei den Kom­mu­nal­wah­len 2020 wer­den in 71 Land­krei­sen und 2056 Städ­ten, Märk­ten und Ge­mein­den die Kreis­ta­ge, Stadt‑, Markt- und Ge­mein­de­rä­te neu ge­wählt, da­rüber hin­aus die meis­ten Ers­ten Bür­ger­meis­ter, Ober­bür­ger­meis­ter und Land­rä­te. Ins­ge­samt wer­den 39.500 Man­dats­trä­ger be­stimmt. Ei­ne Fünf-Pro­zent-Hür­de gibt es nicht: Al­le Kan­di­die­ren­den, die ge­nü­gend Stim­men für ei­nen Sitz er­hal­ten, kom­men in den Ge­mein­de­rat oder Kreis­tag. In Ober­au­dorf wer­den Ge­mein­de­rat, Bür­ger­meis­ter, Kreis­tag und Land­rat ge­wählt. Aus­zu­fül­len sind dem­nach vier Wahl­zet­tel: ein grü­ner Stimm­zet­tel für die Wahl der Ge­mein­de­rats­mit­glie­der, ein gel­ber Zettel für die Wahl des Bürgermeisters, ein wei­ßer Zettel für die Wahl der Kreisräte so­wie ein hell­blau­er Zettel für die Landratswahl. Die Bürgermeisterwahl und die Landratswahl sind am ein­fachs­ten: Ein Kreuz ge­nügt. Bei der Gemeinderatswahl und der Kreistagswahl hat je­der Wahlberechtigte auf den Stimmzetteln so vie­le Stimmen, wie Sitze zu ver­ge­ben sind: 20 beim Oberaudorfer Gemeinderat, 70 beim Rosenheimer Kreistag. Beim Ausfüllen der Stimmzettel darf die ma­xi­mal mög­li­che Stimmenanzahl zwar un­ter­schrit­ten, kei­nes­falls aber über­schrit­ten wer­den, sonst ist der Stimmzettel un­gül­tig. Zum Tes­ten der Va­ria­tions­mög­lich­kei­ten bie­ten der Land­kreis Ro­sen­heim auf sei­ner Web­site ei­nen in­ter­ak­ti­ven ⭱ Mus­ter-Wahl­zet­tel für die Kreis­tags­wahl, die kreis­freie Stadt Ro­sen­heim auf ih­rer Web­site ei­nen in­ter­ak­ti­ven ⭱ Mus­ter-Wahl­zet­tel für die Stadt­rats­wahl.

Ku­mu­lie­ren und Pa­na­schie­ren: Bei der Gemeinderatswahl und bei der Kreistagswahl gibt es zwei Möglichkeiten der Stimmverteilung. Die Stimmen kön­nen ein­fach an­ge­häuft (ku­mu­liert) wer­den oder quer ver­teilt (pa­na­schiert) wer­den. Die ein­fachs­te Form des Kumulierens ist das Ankreuzen ei­ner gan­zen Liste: Mit ei­nem ein­zi­gen „Listenkreuz“ er­hält je­der Kandidierende ei­ne Stimme. Soll ein Listenkandidat be­son­ders un­ter­stützt wer­den, kön­nen die­sem zwei oder höchs­tens drei Stimmen ge­ge­ben wer­den, in­dem ne­ben den Namen die Anzahl der Stimmen ge­schrie­ben wird. Beim Panaschieren wer­den die Stimmen quer über ver­schie­de­ne Listen ver­teilt. Bei ei­ner Kombination bei­der Verfahren kann ei­ne Liste an­ge­kreuzt, ge­häu­felt und pa­na­schiert wer­den, bis die Gesamtstimmenzahl er­reicht ist. Wird die ma­xi­ma­le Stimmenanzahl über­schrit­ten, ist der Stimmzettel un­gül­tig. 


Dr. Olaf Konstantin Krueger steht auf dem wei­ßen Zet­tel für die Wahl der Kreis­rä­te in Ro­sen­heim bei Lis­te 10 auf Platz 3 und auf dem ro­sa Stimm­zet­tel für die Wahl der Ge­mein­de­rats­mit­glie­der in Ober­au­dorf bei Lis­te 2 auf Platz 4. Im Vor­feld ist ein per­sön­li­ches Ken­nen­ler­nen bei ver­schie­de­nen Ge­le­gen­hei­ten mög­lich. Save the­se dates: Kan­di­da­ten­vor­stel­lung am Don­ners­tag, 27. Fe­bruar, 19 Uhr bis 21 Uhr, Ca­fé-Bar Leicht­sinn, Bad-Trißl-Stra­ße 4 in Ober­au­dorf und Kan­di­da­ten­vor­stel­lung mit Im­puls­vor­trag am Mitt­woch, 4. März, 19 Uhr bis 21 Uhr, Res­tau­rant und Wein­bar zum San­ta, Max-Jo­sefs-Platz 20 in Ro­sen­heim.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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