Bürgerinitiative will Waldbestände erhalten
Pöschl-Moser: „Wir wollen mehr Gehör finden“

Wald­krai­burg — Ei­ne in Grün­dung be­find­li­che Bür­ger­ini­tia­ti­ve will künf­tig Wald­be­stän­de in Wald­krai­burg er­hal­ten und de­ren Ro­dung ver­hin­dern. Aus­lö­ser ist der Un­mut be­trof­fe­ner An­woh­ner über Plä­ne der Stadt, ei­ne fast zwei Hek­tar gro­ße Wald­flä­che zu ro­den. Die­se liegt nörd­lich der Daim­ler­stra­ße zwi­schen der im Wes­ten be­find­li­chen Schil­cher­li­nie und dem im Os­ten an­schlie­ßen­den Ge­wer­be­ge­biet. Die „Bür­ger­ini­tia­ti­ve Wald­krai­burg – ‚Stadt im Grü­nen’?“ wen­det sich laut An­sprech­part­ne­rin Irmy Pöschl-Moser ge­gen die vom Stadt­rat mehr­heit­lich be­schlos­se­ne Än­de­rung des Flä­chen­nut­zungs­plans, wo­nach das be­tref­fen­de Flur­stück in ein Ge­wer­be­ge­biet um­ge­wan­delt wird. Be­reits vor ih­rer Grün­dung am 14. Sep­tem­ber wird die Bür­ger­ini­tia­ti­ve po­li­tisch un­ter­stützt von ei­nem brei­ten Bünd­nis ver­schie­de­ner Grup­pie­run­gen.

In der „Cau­sa Schil­cher­li­nie“ sind die An­woh­ner nicht in die Kom­mu­nal­ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­be­zo­gen wor­den, klagt Pöschl-Moser. Die ge­plan­te Ro­dung die­ne viel­mehr der „Durch­set­zung von Wirt­schafts­in­ter­es­sen“. Die „in­trans­pa­ren­te Heran­ge­hens­wei­se“ der Stadt Wald­krai­burg mit un­kla­ren oder nicht ge­ge­be­nen öf­fent­li­chen In­for­ma­tio­nen sei der Grund für den Wi­der­stand. Die Bür­ger­ini­tia­ti­ve (BI) wer­de sich für den Er­halt die­ser und wei­te­rer Wald­stü­cke im Stadt­ge­biet ein­set­zen, so die Ini­tia­to­rin: „Wir wol­len mehr Ge­hör fin­den.“

Ver­fah­ren zur Än­de­rung des FNP

Mit­te Mai hat­te der Stadt­rat in öf­fent­li­cher Sit­zung die Auf­stel­lung des Ver­fah­rens zur Än­de­rung des Flä­chen­nut­zungs­pla­nes (FNP) be­schlos­sen und den Plan­ent­wurf ge­bil­ligt. Da­mit sol­len im An­schluss an das be­ste­hen­de Ge­wer­be­ge­biet nörd­lich der Daim­ler­stra­ße „drin­gend be­nö­tig­te Ge­wer­be­flä­chen“ ge­schaf­fen wer­den. Der bis­lang im FNP als „Flä­che für Forst­wirt­schaft, Wald“ dar­ge­stell­te Be­reich soll in ein „Ge­wer­be­ge­biet“ um­ge­wan­delt wer­den. Mit der Er­wei­te­rung des Ge­wer­be­ge­bie­tes nach Wes­ten wei­se das Ge­wer­be­ge­biet nörd­lich der Daim­ler­stra­ße die glei­che Aus­deh­nung nach Wes­ten auf wie das süd­lich der Daim­ler­stra­ße ge­le­ge­ne Ge­wer­be­ge­biet.

Der FNP lag von Mit­te Mai bis Mit­te Ju­ni öf­fent­lich aus und war on­line ab­ruf­bar auf der Web­site der Stadt. Die Öf­fent­lich­keit konn­te sich bei der Bau­ab­tei­lung wäh­rend der all­ge­mei­nen Dienst­stun­den über die all­ge­mei­nen Zie­le und Zwe­cke der Pla­nung so­wie die we­sent­li­chen Aus­wir­kun­gen un­ter­rich­ten las­sen und da­zu äu­ßern. In die­sem Zeit­raum zeig­te sich der ers­te Wi­der­stand in Form von Un­ter­schrif­ten­lis­ten der An­woh­ner und dem Auf­be­geh­ren der Kreis­grup­pe des „Bund Na­tur­schutz (BN)“ so­wie der Ba­sis­grup­pe Wald­krai­burg der Par­tei DIE LINKE. So be­män­gel­te der BN, die Ro­dung ver­rin­ge­re den Ab­stand zwi­schen Wohn­be­bauung und Ge­wer­be­ge­biet, gin­ge zu­las­ten der Nah­er­ho­lung und schrän­ke den Le­bens­raum von Fle­der­mäu­sen ein. DIE LINKE kri­ti­sier­te zu­dem, die Aus­gleichs­flä­chen lä­gen au­ßer­halb des Stadt­ge­bie­tes und die Ro­dung schütz­te „Ka­pi­tal­in­ter­es­sen“.

Pötzsch: Schil­cher­li­nie bleibt er­hal­ten

Bür­ger­meis­ter Robert Pötzsch (UWG) ent­geg­ne­te, die Stadt prü­fe mög­li­che Ent­wick­lungs­chan­cen und stüt­ze sich auf das „In­te­grier­te städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­kon­zept (ISEK)“: Des­sen Ab­schluss­be­richt von Ju­li 2018 kon­sta­tiert, die städ­ti­sche Ent­wick­lung sto­ße „vor al­lem in Be­zug auf die Ver­füg­bar­keit von Ge­wer­be­flä­chen auf­grund ei­ner po­si­ti­ven wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung an ih­re Gren­zen“ und die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung wei­se auch oh­ne die Aus­wir­kun­gen der der­zei­ti­gen Mi­gra­tions­po­li­tik ei­nen Zu­wachs auf. Pötzsch zu­fol­ge ha­be der ISEK-Pro­zess Wald­krai­burgs Po­ten­zia­le und Er­for­der­nis­se deut­lich ge­zeigt, ins­be­son­de­re mit Blick auf Wohn- und Sied­lungs­ge­bie­te so­wie Ge­wer­be- und In­dus­trie­flä­chen. Die drin­gend be­nö­tig­te Ge­wer­be­flä­che im An­schluss an das be­ste­hen­de Ge­wer­be­ge­biet nörd­lich der Daim­ler­stra­ße wer­de nicht aus­schließ­lich zu­guns­ten ei­nes Un­ter­neh­mens, der Fir­ma Netzsch, ent­wi­ckelt. Die Um­sied­lung von Werk I aus dem Wohn­ge­biet in der Lie­big­stra­ße ins In­dus­trie­ge­biet si­che­re Ar­beits­plät­ze und er­mög­li­che not­wen­di­gen Wohn- und Sied­lungs­bau. „Die Schil­cher­li­nie bleibt auf der ge­sam­ten Län­ge als Schutz der Wohn­be­bauung von et­wa 50 Me­tern Brei­te er­hal­ten“, so Pötzsch.

Die Grün­dung der „Bür­ger­ini­tia­ti­ve Wald­krai­burg – ‚Stadt im Grü­nen’?“ ist für Sams­tag, 14. Sep­tem­ber, vor­ge­se­hen. Grup­pie­run­gen wie die „FridaysForFuture-Kreis­grup­pe Mühl­dorf“, „DIE LINKE. Ba­sis­grup­pe Wald­krai­burg“ und der in Grün­dung be­find­li­che Orts­ver­band Wald­krai­burg von Bünd­nis 90/DIE GRÜ­NEN sind be­reits in der BI ver­tre­ten. Wei­te­re Or­ga­ni­sa­tio­nen, Par­teien und Pri­vat­per­so­nen könn­ten sich be­tei­li­gen, er­klärt Pöschl-Moser, die via E‑Mail an ipm‍@‍picabella.de er­reich­bar ist. Die BI will ih­rer­seits an kom­men­den Ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, bei­spiels­wei­se an der FridaysForFuture-De­mon­stra­tion am 13. Sep­tem­ber in Wald­krai­burg. 


Erstveröffentlichung

Print: Inn-Salz­ach blick, 10. Jg., Nr. 30/2019, Sams­tag, 27. Ju­li 2019, S. 3, Ko­lum­ne „Lo­ka­les“ [173/3/ – / – ].
Online: ⭱ blick-punkt.com, Mitt­woch, 24. Ju­li 2019; ⭱ E‑Paper Inn-Salz­ach blick, Sams­tag, 27. Ju­li 2019.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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