Zweites Bürgerbegehren gegen Grundschulverlagerung in Bad Endorf
Staber: „Formulierungen sind jetzt wasserdicht“

Ro­sen­heim — Beim zwei­ten An­lauf soll das Bür­ger­be­geh­ren er­folg­reich sein: Die Bür­ger­ini­tia­ti­ve „Grund­schu­le und Hort in der Bad En­dor­fer Orts­mit­te“ hat am 1. März ins­ge­samt 830 Un­ter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten bei der Markt­ge­mein­de ein­ge­reicht, 170 mehr als er­for­der­lich. Dem ers­ten, von über 700 En­dor­fern un­ter­stütz­ten Be­geh­ren hat­te der Rat im No­vem­ber 2018 mehr­heit­lich den Zu­läs­sig­keits­be­schluss ver­wei­gert – we­gen ei­ner „sehr zwei­fel­haf­ten“ Rechts­an­walts­mei­nung, so BI-Spre­cher Ro­bert Sta­ber. Die­ser er­war­tet nun, dass das neuer­li­che Be­geh­ren vom Markt­ge­mein­de­rat an­ge­nom­men wird. Zum ei­nen sei­en die Fra­ge­stel­lung „mo­di­fi­ziert“ wor­den und „die For­mu­lie­run­gen jetzt was­ser­dicht“, das An­lie­gen im Kern aber un­ver­än­dert ge­blie­ben, zum an­de­ren er­fah­re das Be­geh­ren „star­ken Zu­spruch“ aus der über 8300 Bür­ger zäh­len­den Ge­mein­de. Zu­gleich warnt Sta­ber, ei­ne er­neu­te Ab­leh­nung wer­de „ei­nen im­men­sen ‚de­mo­kra­ti­schen Flur­scha­den’ ver­ur­sa­chen und Bad En­dorf in ein sehr zwei­fel­haf­tes Licht be­züg­lich Bür­ger­wil­len und De­mo­kra­tie rü­cken“.

Rund fünf Mo­na­te nach dem ers­ten An­lauf ha­ben Ro­bert Sta­ber, Hans Söld­ner und Mar­tin Pi­per er­neut Bür­ger­meis­te­rin Do­ris La­ban (Ak­tiv für Bad En­dorf – ABE) ei­ne Un­ter­schrif­ten­samm­lung über­reicht. „Da ei­ne ge­richt­li­che Kla­ge ge­gen die Ab­leh­nung zu lan­ge ge­dauert hät­te und die Ge­mein­de­füh­rung kei­ne bal­di­ge Um­set­zung ei­nes Rats­be­geh­rens er­war­ten ließ, hat­ten wir uns ent­schlos­sen, mit ei­nem neu­en, über­ar­bei­te­ten Bür­ger­be­geh­ren dem Wunsch vie­ler En­dor­fer nach ei­ner Grund­schu­le mit Hort in der Bad En­dor­fer Orts­mit­te zum Er­folg zu ver­hel­fen“, er­klärt Sta­ber das Vor­ge­hen der Bür­ger­ini­ti­a­ti­ve. Die BI will ver­hin­dern, dass Grund­schu­le und Hort ver­la­gert wer­den: weg vom Orts­kern hin zur Mit­tel­schu­le am Orts­rand. Ihr zu­fol­ge spre­chen „vie­le gu­te Grün­de“ für die­ses An­sin­nen, da­run­ter: Er­halt ei­ner vi­ta­len Orts­mit­te, sinn­vol­le Orts­ent­wick­lung so­wie si­che­re und kür­ze­re Schul­we­ge oh­ne er­höh­tes Ver­kehrs­auf­kom­men, über­dies Er­halt der Ei­gen­stän­dig­keit der Grund­schu­le mit aus­schließ­lich Kin­dern bis zur vier­ten Klas­se, Sy­ner­gie­ef­fek­te zwi­schen Hort, Kin­der­gar­ten und Grund­schu­le so­wie An­knüp­fung an das In­te­grier­te städ­te­bau­li­che Ent­wick­lungs­kon­zept (ISEK).

Das ers­te Bür­ger­be­geh­ren „Grund­schu­le und Hort in der Bad En­dor­fer Orts­mit­te“ war vom Markt­ge­mein­de­rat En­de No­vem­ber 2018 we­gen for­ma­ler Feh­ler ab­ge­lehnt wor­den, was die Ini­tia­to­ren sehr er­bos­te. Da­nach hoff­ten sie, die Fra­ge des künf­ti­gen Stand­or­tes für Grund­schu­le und Hort durch ein Rats­be­geh­ren ent­schei­den las­sen zu kön­nen, des­sen Durch­füh­rung der Ge­mein­de­rat gleich­zei­tig be­schlos­sen hat­te. Der da­zu ge­mein­sam mit meh­re­ren Ge­mein­de­rä­ten er­ar­bei­te­te „neu­tra­le“ For­mu­lie­rungs­vor­schlag er­lang­te je­doch kei­ne Wirk­kraft. Ei­ne Kla­ge ge­gen die Ab­leh­nung hät­te laut Sta­ber zwar Er­folgs­chan­cen ge­habt, die Ent­schei­dung hät­te je­doch bis zu zwölf Mo­na­te auf sich war­ten las­sen. „Auf­ge­ben woll­ten wir aber auf kei­nen Fall“, zu­mal vie­le En­dor­fe­rin­nen und En­dor­fer die Ver­la­ge­rung von Grund­schu­le und Hort zum Hand­wer­ker­park an den Orts­rand ab­lehn­ten. Das zwei­te Bür­ger­be­geh­ren „Grund­schu­le und Hort in der Bad En­dor­fer Orts­mit­te“ lässt nun so­wohl die Fra­ge nach Neu­bau oder Sa­nie­rung of­fen als auch die Fra­ge nach dem ge­nauen Stand­ort va­ri­a­bel, wel­cher le­dig­lich auf ei­nen Um­kreis von 150 Me­ter um das Rat­haus ein­ge­grenzt wird.

Die Ge­mein­de­ver­wal­tung prüft der­zeit die Gül­tig­keit der neuer­lich ein­ge­reich­ten Un­ter­stüt­zer­un­ter­schrif­ten. Ist die er­for­der­li­che An­zahl von rund 650 va­li­den Un­ter­schrif­ten er­reicht, könn­te der Ge­mein­de­rat be­reits in sei­ner Sit­zung am 19. März die Zu­läs­sig­keit be­schlie­ßen und den Weg frei ma­chen für ei­nen Bür­ger­ent­scheid in­ner­halb von drei Mo­na­ten. Nach dem Wil­len der BI kön­nen die Bür­ger in Bad En­dorf auf die­se Wei­se di­rekt über den künf­ti­gen Stand­ort von Grund­schu­le und Hort ab­stim­men: „Dies ist un­se­rer Auf­fas­sung nach obers­tes de­mo­kra­ti­sches Ziel des Bür­ger­be­geh­rens“, er­läu­tert Sta­ber. „Auf Grund­la­ge zahl­rei­cher Ge­sprä­che, die wir in den letz­ten Wo­chen mit Bür­gern und El­tern ge­führt ha­ben, ge­hen wir da­von aus, dass ei­ne Mehr­heit der En­dor­fer für ei­nen Stand­ort von Grund­schu­le und Hort in der Orts­mit­te plä­diert und de­fi­ni­tiv kein gro­ßes Schul­zen­trum am Orts­rand wünscht.“ 


Erstveröffentlichung

Print: Ro­sen­hei­mer blick, Inn­ta­ler blick, Mang­fall­ta­ler blick, Was­ser­bur­ger blick, 32. Jg., Nr. 10/2019, Sams­tag, 9. März 2019, S. 1f., Ko­lum­ne „Leit­ar­ti­kel“ [134/3/1/10].
Online: blick-punkt.com, Mon­tag, 4. März 2019; E-Paper Ro­sen­hei­mer blick, E-Paper Inn­ta­ler blick, E-Paper Mang­fall­ta­ler blick, E-Paper Was­ser­bur­ger blick, Sams­tag, 9. März 2019.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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