Einheitliches Funknetz für Rettungs- und Sicherheitskräfte
Eintritt ins „digitale Zeitalter“

Mühl­dorf am Inn — Ana­lo­ge Funk­tech­nik hat end­gül­tig aus­ge­dient: Po­li­zeien, Ret­tungs­kräf­te und Feuer­weh­ren in den Land­krei­sen Mühl­dorf am Inn, Alt­öt­ting, Berch­tes­ga­de­ner Land und Traun­stein fun­ken nach gut zwei­jäh­ri­gen in­ten­si­ven Mo­der­ni­sie­rungs­maß­nah­men ein­heit­lich und flä­chen­de­ckend di­gi­tal. Die Ein­füh­rung des Di­gi­tal­funks bei „Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Si­cher­heits­auf­ga­ben (BOS)“ ge­währ­leis­tet laut Baye­ri­schem Staats­mi­nis­te­rium des In­nern, für Bau und Ver­kehr op­ti­ma­le und schnel­le Hil­fe.

Ich freue mich, dass die Ein­füh­rung des Di­gi­tal­funks nun ab­ge­schlos­sen ist und wir die neue Tech­nik für un­se­re Ein­sät­ze im Land­kreis nut­zen kön­nen“, er­klärt Mühl­dorfs Land­rat Ge­org Hu­ber (CSU) den Ein­tritt ins „di­gi­ta­le Zeit­al­ter“. Und Alt­öt­tings Land­rat Er­win Schnei­der (CSU) zeigt sich „sehr froh da­rüber, dass die jah­re­lan­gen Vor­be­rei­tun­gen ein Ende ge­fun­den ha­ben und nun al­le Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Si­cher­heits­auf­ga­ben di­gi­tal fun­ken kön­nen. Durch die Ein­füh­rung des Di­gi­tal­funks kön­nen wir nun auf ein ver­läss­li­ches und vor al­lem ab­hör­si­che­res Sys­tem zu­rück­grei­fen, das im Ver­gleich zum Ana­log­funk auch noch deut­lich leis­tungs­fä­hi­ger ist.“

Vor­teile des BOS-Di­gi­tal­funks

Die we­sent­li­chen Vor­tei­le des BOS-Di­gi­tal­funks sind – kurz ge­fasst – ein ge­mein­sa­mes Netz, sehr ho­he Ver­füg­bar­keit, ver­bes­ser­te Sprach­qua­li­tät oh­ne Rau­schen, Ab­hör­si­cher­heit des Funk­ver­kehrs, Ein­zel- und Grup­pen­kom­mu­ni­ka­tion so­wie zahl­rei­che Zu­satz­diens­te wie bei­spiels­wei­se Not­ruf oder GPS-ba­sier­te Fahr­zeug- und Per­so­nen­or­tung.

In den vier Land­krei­sen Mühl­dorf am Inn, Alt­öt­ting, Berch­tes­ga­de­ner Land und Traun­stein er­folg­te die Ein­füh­rung des Di­gi­tal­funks schritt­wei­se: Mit­te April star­te­te die Nut­zung bei den po­li­zei­li­chen Ein­hei­ten. Mit­te Ju­ni wur­de der öf­­f­en­t­­lich-rech­t­­li­che Land­ret­tungs­dienst, Mit­te Ju­li der Was­ser­ret­tungs­dienst auf Di­gi­tal­funk um­ge­stellt. Seit An­fang Ok­to­ber fun­ken nun mit der Feuer­wehr al­le Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Si­cher­heits­auf­ga­ben di­gi­tal. In ganz Bayern nut­zen ne­ben Po­li­zei­en von Bund und Län­dern rund 450.000 Hel­fer von Feuer­wehr, Ka­tas­tro­phen­schutz, Ret­tungs­diens­ten, Tech­ni­sches Hilfs­werk und Zoll das BOS-Di­gi­tal­funk­netz. Vom Baye­ri­schen Ro­ten Kreuz zeigt sich Mühl­dorfs Kreis­ge­schäfts­füh­re­rin Tanja Maier be­geis­tert: „Wir ha­ben ein­wand­freie Sprach­qua­li­tät, kei­ner­lei Stör­ge­räu­sche mehr, kei­ne Funk­lö­cher.“

Lan­ger Weg in die Di­gi­ta­li­sie­rung

Der Start­schuss zur Ein­füh­rung des Di­gi­tal­funks in den vier Land­krei­sen fiel im Ja­nu­ar 2014. Un­ter dem Schirm der Pro­jekt­grup­pe „DigiNet“ des baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­riums des In­nern, für Bau und Ver­kehr wur­de in Ko­opera­tion mit der Po­li­zei und al­len Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen ei­ne re­gio­na­le Pro­jekt­grup­pe ins Le­ben ge­ru­fen, die sich mit al­len für die rei­bungs­lo­se Ein­füh­rung des neu­en Funk­sys­tems wich­ti­gen As­pek­ten be­fass­te. So wur­den tak­ti­sche Kon­zep­te so­wie ei­ne eu­ro­pa­wei­te Aus­schrei­bung zur Be­schaf­fung der er­for­der­li­chen Funk­ge­rä­te er­ar­bei­tet. Da­ne­ben wur­de die „In­te­grier­te Leit­stel­le (ILS)“ Traun­stein tech­nisch für das neue Funk­sys­tem be­triebs­be­reit ge­macht.

Zur Ver­wal­tung und Be­treuung der neu­en Tech­nik wur­de in den Räu­men des Zweck­ver­ban­des für Ret­tungs­dienst und Feuer­wehr­alar­mie­rung Traun­stein ei­ne neue Dienst­stel­le, die so­ge­nann­te „Tak­tisch-Tech­ni­sche Be­triebs­stel­le“, ge­schaf­fen. Für die et­wa 12.000 End­an­wen­der in den Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und bei der Po­li­zei muss­ten Schu­lungs­un­ter­la­gen er­stellt und Schu­lun­gen ge­plant wer­den. Durch das Staats­mi­nis­te­rium wur­den zeit­gleich die In­fra­struk­tur des Di­gi­tal­funk­net­zes in Auf­trag ge­ge­ben so­wie die 45 Sen­de­stand­or­te in den Land­krei­sen er­rich­tet und ver­netzt.

Schnel­le Hil­fe

Vor ei­nem Jahr – im Ok­to­ber 2015 – konn­te dann das Di­gi­tal­funk­netz für ers­te Tests in Be­trieb ge­nom­men, die Schu­lungs­maß­nah­men ge­star­tet und der Ein­bau in die Ein­satz­fahr­zeu­ge be­gon­nen wer­den. In den vier Land­krei­sen muss­ten über 1.000 Ein­satz­fahr­zeu­ge mit der neu­en Funk­tech­nik aus­ge­stat­tet wer­den. Die Ab­schluss­ar­bei­ten lau­fen in die­sen Wo­chen. „Mit der neu­en Tech­nik ha­ben die Ein­satz­kräf­te jetzt ein äu­ßerst leis­tungs­fä­hi­ges Funk­netz mit ei­ner flä­chen­de­cken­den Funk­ver­sor­gung. Das Di­gi­tal­funk­netz hilft da­mit al­len Bür­ger­in­nen und Bür­gern, denn es sorgt da­für, dass im Not­fall die Hil­fe schnel­ler und ver­läss­li­cher kommt“, un­ter­streicht Land­rat Huber. 


Erstveröffentlichung

Print: Inn-Salz­ach blick, 9. Jg., Nr. 40/2016, Sams­tag, 8. Ok­to­ber 2016, S. 1f., Ko­lum­ne „Leit­ar­ti­kel“ [146/3/2/8].
Online: www.blick-punkt.com, Mitt­woch, 5. Ok­to­ber 2016; E-Paper Inn-Salz­ach blick, Sams­tag, 8. Ok­to­ber 2016.
 

Dr. Olaf Konstantin Krueger M.A.

Digitaljournalist – Digitalpolitiker

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